Langlaufen - ein Männlichkeitsbeweis?

Draussen sein in der Natur, im Winter am besten auf Skiern. Langlaufen ist eine der beliebtesten Sportarten der Schweden im Winter. Am Wasalauf starten alljährlich tausende Langläufer, für den Anfang März ausgetragenen Wettbewerb haben sich bereits jetzt über 15.000 Läufer angemeldet. Überall im Land finden derzeit Sichtungsläufe für den Vasaloppet statt. Wir haben das Ranrennet in Råneå nahe Luleå begleitet und mit Profis und Amateuren über das Besondere am Skilaufen gesprochen.

Jetzt endlich. Wieder bei Tageslicht laufen, die Sonne wärmt schon ein bisschen, auch wenn es zwanzig Grad kalt ist. Die Loipen sind gespurt, oder die Schneescooter haben den Weg planiert. Am Fluss Råneälv laufen die Junior-Wettkämpfer zur Zielgeraden. Es wird eng, erfasst der Sprecher, doch am Ende kommt der Russe Raimo Olkonen mit nur einer Sekunde Vorsprung ins Ziel, dicht gefolgt vom Schweden Mikkel Knif.

Beides Läufer, die sich ganz dem Leben auf den Brettern verschrieben haben und ihre Siege abgebrüht und gelassen kommentieren: ”Das war doch völlig normal für mich. Egal, welches Land, ich gewinne den Wettkampf”, sagt Raimo Olkonen und der Zweitplatzierte Mikkel Knif erzählt, dass dieser Lauf doch nur einer von 20 ist, die er jede Saison absolviert. Nichts Besonderes. Vom Wetter abgesehen. ”Ich bin zufrieden, dass ich nicht erfroren bin. Die letzten Kilometer am Fluss war es ganz schön kalt. Der Wettbewerb war nicht schrecklich wichtig, es galt nur, überhaupt durchzukommen. Das Risiko bei solchem Wetter ist, dass zu viel kalte Luft in die Lungen kommt.”

”Später beim Wasalauf gut dastehen”

Schön gemütlich im Warmen sitzen Jorma Metsävainio und Sven-Ove Rensfeldt. Die Freiwilligen helfen beim Bretterwachsen oder als Streckenwart. Jorma Metsävainio lässt es in diesem Jahr ruhig angehen, das Ranrennet ist er schon ein dutzendmal mitgelaufen: ”Vor allem, um bessere Startplätze beim Wasalauf zu bekommen. Sinn und Zweck des Langlaufens ist ja, draussen zu sein, zu entspannen und die Natur zu geniessen. Und dann fährt man ja hauptsächlich Ski, um an Wettkämpfen teilzunehmen, eine bessere Kondition zu kriegen, um beim Wasalauf gut dazustehen.”

Ja, der Lauf der Läufe; die Männlichkeitsprüfung schlechthin, das ultimative Ziel eines jeden Schweden. Jedes Jahr Anfang März in Dalarna ausgetragen, zu Ehren von Gustav Vasa, stolze 90 Kilometer lang und mit fast 15.000 Läufern am Start. Und wer ganz vorne mitstarten will, absolviert eben solche Sichtungswettkämpfe wie das Ranrennet. Aber braucht es immer Wettkämpfe? Muss man immer gut dastehen? Reicht es nicht, einen Ski vor den anderen zu setzen? Dabei vielleicht etwas zu Philosophieren?

Loipe selbstständig präpariert

Sven-Ove Rensfeldt, der Streckenwart vom Ranrennet sieht Skifahren als komplette Entspannungsübung an: ”Wenn ich Ski fahre, denke ich nicht ans Skifahren. An das ein oder andere, ich konzentriere mich darauf, was ich gerade zu tue. Gucke auf die Spur.”

Zumal Sven-Ove zu den Puristen dieses Sports zählt. Perfekt gespurte Loipen sind nicht seine Sache; er spurt seine Loipen selbst, indem er erst mit dem Scooter vorweg fährt. Spurkonzentration pur also, während Jorma Metsävainio das Skilaufen auch zum Problemlösen nutzt: ”Ich denke beim Laufen auch ans Geschäft, ich verkaufe Fahrräde und Skier. Beim Laufen überlege ich dann, wie das ein oder andere besser laufen kann oder was ich anders machen müsste. Aber generell gilt: Es ist wichtig, draussen zu sein, frische Luft zu haben und gewissermassen sich selbst zu kurieren.”

Skilaufen als Selbstzweck

Skilaufen, es kann also Selbstzweck sein. Der Weg zum Ziel. Mehr Weg als Ziel. Ein ganzer Lebensinhalt schliesslich, wie für Mikkel Knif, den Zweitplatzierten aus dem Rennen: ”Das Laufen steuert mein Dasein. Ich trainiere viel, es ist eine Vollzeitbeschäftigung, alles dreht sich darum, wie man isst, wie man schläft, wie man sich erholt, wie die Harmonie findet.” Und beim Langlauf schont man die Knochen, erklärt Mikkel dann noch. Weshalb man das machen kann, bis man vierzig ist. Mindestens.

Katja Güth

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