Abtreibungsrecht spaltet Christdemokraten

Schwedens Christdemokraten, die kleinste der vier bürgerlichen Regierungsparteien, stehen vor einer Zerreisprobe. Parteichef und Sozialminister Göran Hägglund will die ohnehin liberale schwedische Abtreibungsgesetzgebung erweitern und ausländischen Frauen das Recht auf Abtreibung in Schweden einräumen. Mehrere christdemokratische Parteigenossen sowie Kirchenvertreter sehen darin einen Verrat an den Idealen der Partei.

Die Wogen im bürgerlichen Lager schlagen angesichts der Abtreibungsfrage hoch. Am Wochenende rief die Pfingstgemeinde dazu auf, den Christdemokraten bei der nächsten Wahl die Unterstützung zu entziehen, sollte Parteichef Hägglund an seinem bisherigen Gesetzentwurf festhalten. Danach hätten auch solche Frauen das Recht auf Abtreibung in Schweden, die in einem anderen Land wohnhaft sind.

Aus Furcht, er könnte seine christliche Stammwählerschaft vergraulen, bemüht Göran Hägglund sich, andere als ethische Gründe für ein erweitertes Abtreibungsrecht ins Feld zu führen: „Es geht darum, die medizinische Versorgung allen zugänglich zu machen. Und dazu zählen eben auch Abtreibungen, ob einem das nun gefällt oder nicht. Allein unter EU-Gesichtspunkten ist es sinnvoll, ein flexibles System zu haben. Schließlich bezahlen die Patienten für die Leistungen, die sie erhalten – entweder selbst oder ihre Krankenversicherung.“

Furcht vor „Abtreibungstourismus“ 

Schwedens Abtreibungsrecht zählt zu den liberalsten in ganz Europa. Bis zur 18. Schwangerschaftswoche dürfen Frauen eine Abtreibung ohne Angabe von Gründen durchführen lassen – in Ausnahmefällen sogar bis zur 22. Woche. Wenn diese Regelung nun auf Frauen mit Wohnsitz in anderen EU-Ländern erweitert werde, hätte das einen regelrechten „Abtreibungstourismus“  zur Folge, befürchten einzelne Christdemokraten sowie Kirchenvertreter.

Sten Gunnar Hedin ist Vorsitzender der Pfingstgemeinde: „Denken Sie mal an die Frau aus Portugal oder Malta, die das Geld für eine Abtreibung zusammenkratzt und hierher kommt. Sie braucht Unterstützung, nicht nur ein obligatorisches Beratungsgespräch kurz vor dem Eingriff. Wir tragen eine Verantwortung, dieser Frau auch noch Jahre nach der Abtreibung beizustehen.“

Abtreibungsrecht noch weiter lockern 

Pfingstpastor Hedin fordert darum, das geltende Abtreibungsrecht unangetastet zu lassen. Ohnehin sei die geplante Reform lediglich ein politisches Erbe der sozialdemokratischen Vorgängerregierung. Doch die drei übrigen bürgerlichen Koalitionsparteien haben sich bislang positiv zu einer Reform geäußert. So können sich etwa einzelne Liberalenpolitiker sogar ein gelockertes Abtreibungsrecht für Frauen außerhalb der EU vorstellen. Den endgültigen Gesetzesentwurf will die Regierung im Juni vorlegen.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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