Weniger Verwaltungsregionen vorgeschlagen

Schwedens administrative Einteilung in 21 unterschiedlich große Regionen könnte bald der Vergangenheit angehören. Heute legte eine Untersuchungskommission ihre Vorschläge zur Umstrukturierung des Landes vor. Danach soll Schweden mittelfristig in sechs bis neun Großregionen unterteilt werden. Die Wirtschaft begrüßt den Vorschlag, in mehreren Regionen regt sich dagegen Widerstand.

Das Problem mit den 21 Regionen Schwedens ähnelt dem der deutschen Bundesländer. Sie sind unterschiedlich groß, variieren mitunter stark in Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft. Da die Regionen in vielen Fragen autonome Entscheidungsträger sind, führt dies in Bereichen wie der medizinischen Versorgung, der Bildung oder der Verkehrsplanung oftmals zu bürokratischen Hürden im Alltag.

Nach Auffassung der staatlichen Untersuchungskommission ist es deshalb sinnvoll, die Zahl der schwedischen Verwaltungsgebiete auf sechs bis neun zu begrenzen. Der ehemalige Kommunalminister Sven Erik Österberg ist Mitglied der Kommission: „Wenn man mit der medizinischen Entwicklung Schritt halten will, braucht man eine entsprechende Infrastruktur. Die Menschen haben schließlich ein Recht auf angemessene medizinische Versorgung. Wenn wir optimal organisiert sein wollen, brauchen wir eine andere regionale Einteilung als bisher.“

Weniger Regionen, mehr Zuwachs

Diese Auffassung teilen zahlreiche Wirtschaftsvertreter. Durch die jetzige regionale Einteilung büße man unnötig viel Wirtschaftskraft ein, kritisieren sie. Beispiel Mälardalen: Würde man die Region der Hauptstadt Stockholm zuschlagen, hätte dies ein erhöhtes Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent zur Folge – allein durch den Wegfall bürokratischer Hürden.

Entsprechend positiv bewertet Johan Danielsson, Generalsekretär der Interessensorganisation Mälardalen, die vorgeschlagene Regionalreform: „Dadurch werden die Chancen erweitert, Jobsuchende und Arbeitgeber zusammenzubringen. Wir brauchen größere Verwaltungsregionen.“

Verlust der regionalen Identität 

Weitaus weniger begeistert zeigen sich die Vertreter einzelner, zumeist einwohnerschwacher Regionen. Sie befürchten einen Verlust ihrer regionalen Identität. Die vorgeschlagene Neueinteilung sei ein herzloses Schreibtischprodukt. Eine Volksbefragung in der kleinen südwestschwedischen Region Halland zeigt, dass man unter keinen Umständen an eine Großregion angeschlossen werden will. Schließlich gebe es keine Belege dafür, dass größere Verwaltungsgebiete automatisch effizienter arbeiten würden, argumentieren die Reformgegner.

Weitaus schärfer äußerte sich der Verwaltungspräsident von Uppland, Anders Björk. Er setzte die geplante Verwaltungsreform mit Sowjetmethoden gleich: „Die Reform soll unter Zwang durchgesetzt werden. Wenn sich die Regionen bis 2010 nicht selbst einigen, wird der Staat eingreifen und etwas komplett Neues, Unerprobtes schaffen. Demokratie sieht anders aus. Ganz bewusst soll diese Reform zwischen zwei Wahlkämpfen durchgeführt werden, damit das Volk nicht seine Meinung dazu sagen kann.“

Doch damit könnte Björk falsch liegen. Da die Reform spätestens bis 2014 beschlossen werden soll, werden höchstwahrscheinlich auch die Bürger ein Wort mitreden können.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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