Dank Bestechung im Sortiment?

Neue Vorwürfe gegen Alkoholkette

Die Alkoholkette „Systembolaget“ gerät einmal mehr in Verruf. Wie das Schwedische Fernsehen berichtet, häufen sich die Fälle von Bestechung beim staatlichen Monopolisten. So sollen führende Mitarbeiter von „Systembolaget“ bestimmte Weinlieferanten bevorzugt haben. Im Gegenzug erhielten die Mitarbeiter lukrative Posten bei den Lieferfirmen. Doch die Leitung von „Systembolaget“ will darin nichts Unredliches erkennen. Noch nicht.

Die Weinsorten „Ricasoli“ und „Torus“ haben sich binnen kurzer Zeit zum Verkaufsschlager der staatlichen Alkoholkette entwickelt. Zwar kommen beide eher unscheinbar im Pappkarton daher, doch die Sorten aus Italien und Frankreich haben es sprichwörtlich in sich. Nur zwei Monate nachdem „Systembolaget“ die Weine in sein Sortiment aufgenommen hatte, kündigte die Leiterin der Einkaufsabteilung, Ann Burgaz-Schmidt, und wechselte just zur Lieferfirma von „Ricasoli“ und „Torus“.

Ein purer Zufall, wie Burgaz-Schmidt meint: „Das war eine einmalige Jobgelegenheit für mich. Da konnte ich nicht nein sagen. Daran ist nichts ungewöhnlich. Die Firma hat einfach sehr gute Weine, die allesamt durch die vorgeschriebenen Blindtests gegangen sind.“

Anonymer Brief 

Doch einiges spricht dafür, dass es sich hier um Bestechung handelte. Bereits im Herbst vergangenen Jahres erhielt das Schwedische Fernsehen einen anonymen Brief von einem Weinlieferanten. In diesem behauptete er, die staatliche Alkoholkette bevorzuge bestimmte Lieferanten und lasse sich dies gut bezahlen. Zum Beweis kündigte der anonyme Lieferant schon damals an, welche beiden neuen Weinsorten unter knapp 100 Konkurrenten von „Systembolaget“ im Jahr 2007 ins Sortiment aufgenommen werden: „Ricasoli“ und „Torus“. Die von der staatlichen Alkoholkette ins Feld geführten Blindtests seien nichts als Augenwischerei, argumentierte der Briefverfasser. Ex- Einkaufschefin Burgaz-Schmidt habe weit im Voraus für einen reibungslosen Ablauf des Deals gesorgt.

Diesen Vorwurf will die neue Einkaufschefin von „Systembolaget“, Babro Ström, nicht gelten lassen: „Es besteht nicht der geringste Anlass zu zweifeln. Unsere Routinekontrollen sind sicher. Unsere unabhängigen Weinkoster haben nicht die leiseste Ahnung, welche Sorte in ihrem Glas ist.“

Mindestens zwei weitere Fälle

Nachforschungen des Schwedischen Fernsehens ergaben nun, dass auch in mindestens zwei anderen Fällen hochrangige Mitarbeiter von „Systembolaget“ zu Weinlieferanten wechselten, deren Produkte kurz zuvor ins Sortiment der staatlichen Alkoholläden aufgenommen wurden. Noch kann eine Vorteilsnahme durch Führungspersonal von „Systembolaget“ nicht bewiesen werden. In jedem Fall aber kratzen die jüngsten Verdächtigungen am ohnehin beschädigten Ansehen von Schwedens Alkoholmonopol.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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