Aufbruchsstimmung im strukturschwachen Torniotal

Nordschweden, Lappland, Rentiere - das hat vor allem für Urlauber einen lockenden Klang. Für die Einwohner bedeutete dies lange Zeit Arbeitslosigkeit, Saisonjobs, Vorruhestand. Der nordschwedischen Region Norrbotten wird zwar seit kurzer Zeit Aufbruchsstimmung attestiert, verbunden mit neuen Arbeitsplätzen. Doch eine Gegend in Nordschweden, scheint noch diesem Trend zu trotzen: das Torniotal, das sich vom Bottnischen Meerbusen bis zu den Bergen um Kiruna erstreckt, hat mit insgesamt 13 Prozent (inklusive Beschäftigungsmaßnahmen) die höchste Arbeitslosigkeit Schwedens. Die abgeschiedene Lage am Rande Europas hat Nachteile, aber auch Chancen.

Der Torniofluss ist die Lebensader des Torniotales. Im Sommerhalbjahr rauscht er ohne Unterlass, im Winterhalbjahr ist er zugefroren und damit der kurze Weg zur jeweils anderen Seite. Vereinzelt gibt er Fischern und Touristenunternehmen Lohn und Brot. Der Torniofluss kann aber nicht die ganze Region ernähren, weshalb die Gegend das ist, was man strukturschwach nennt. Peter Hagström vom Tornedalsrat: „Wir haben das Problem der hohen Arbeitslosigkeit. Und die alternde Bevölkerung ist ein anderes strukturelles Problem.”

Organisationen wie der Tornedalsrat oder Bothnian Arc, der Bottnische Bogen, die Handelskammer, arbeiten daran, diese strukturellen Probleme zu lösen. Förderprogramme werden durchforstet, Papiere geschrieben, die dann wieder neue Papiere produzieren. Und Kontakte geknüpft, die eben im besten Fall zu neuen Arbeitsplätzen führen. Doch was soll es im strukturschwachen Torniotal sein, wo es außer dem Fluss, Wald und  Sümpfen fast nichts gibt?

Landschaft als Kapital
Die Landschaft selbst muss ihre Bewohner ernähren, meint der Vorsitzende des Tornedalsrates, Peter Hagström: „Wir sind jetzt in der Situation, wo neuen Gruben erschlossen werden. Durch die kleinteilige Technik lohnt sich auch die Förderung kleinerer Vorkommen. Wir haben Wald, Biomasse also. Und ich denke an die Barentsregion, wo es das norwegische Öl und Gas gibt.”

Mancher im Tal hört schon zwei Herzen in seiner Brust schlagen: Arbeit in der Erzgrube bekommen und dafür zusehen, wie die Landschaft zerstört wird? Doch die Grube ist noch Zukunftsmusik. Oder auf Tourismus setzen? Das schwedische Torniotal hat gewissermaßen Nachholbedarf.

„Der Tourismus hat  noch großes Entwicklungspotential”, sagt Peter Hagström. ” In Levi, Kittilä, Ylläs gibt es regelrechte Touristik-Cluster, auf der finnischen Seite also. Auf der schwedischen Seite ist die natürliche Ausgangslage genauso gut.”

Tourismus ausbaufähig 
Vor allem das nördliche schwedische Torniotal ist touristisch weitgehend unerschlossen, das wird bisher vor allem von Urlaubern mit einem gewissen Abenteueranspruch geschätzt. Der Flugplatz in Pajala, von der Regierung Persson im Wahlkampf noch mit einer längeren Landebahn bedacht, hofft nun immerhin auf Charterflieger vom Festland.

Örjan Pekka, der Chefredakteur des Haparandabladets, das im Torniotal auf Schwedisch und Finnisch erscheint, sieht für Pajala zum Beispiel noch andere touristische Zielgruppen: „Pajala kann ja von den norwegischen Einkaufstouristen profitieren, die nach Haparanda fahren. In Pajala haben sie vielleicht schon vier Stunden Fahrt hinter sich und wollen tanken und was essen und sich bewegen. Und wenn man diese Touristen dazu kriegt, länger zu bleiben, oder zu übernachten, das kann man doch touristisch entwickeln.”

Am südlichen Ende des Torniotales, in Haparanda, immerhin ist der Aufschwung greifbar. Die Ansiedlung von IKEA hat weitere Handelsketten in die Stadt gezogen. Viele Menschen aus dem Torniotal pendeln inzwischen nach Haparanda. Am Ende des Flusses, wo der Torneälv schließlich in die Ostsee fließt, hat der Zukunftsglaube sich durchgesetzt.

Katja Güth

11.4.2007

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