Über die Grenzen: Zusammenarbeit im Torniotal

Die Grenze zwischen Schweden und Finnland ist die friedlichste Grenze der Welt - das behaupten zumindest die Einwohner entlang der Grenzlinie. In Nordschweden geht sie vom Bottnischen Meerbusen bis ins Gebirge. Für das Gebiet bedeutet die räumliche Nähe, auf weiten Strecken nur durch den Fluss Tornio getrennt, viele Vorteile bei der Zusammenarbeit von schwedischen und finnischen Kommunen. Die geht oft auch über den kleinen Dienstweg, an entsprechenden Gesetzesänderungen tun sich nämlich beide Hauptstädte zuweilen schwer.

Der Torniofluss markiert auf etwa 200 Kilometern die natürliche Grenze zu Finnland. Die Grenze wurde 1917 mit der finnischen Unabhängigkeit gezogen. Doch sie verhinderte nicht, dass - wie seit vielen hunderten Jahren - eine Sprache gesprochen wird, tornedalsfinnisch, und die Menschen beiderseits des Flusses sich zuerst als Tornedaler, Tornio-Taler, verstehen und dann erst als Schweden oder Finnen.

Und diese Zusammengehörigkeit und räumliche Nähe hat auch praktischen Nutzen. Im ehemaligen Zollhaus in Haparanda arbeitet Ritva Nousiainen im Kooperationssekretariat Haparanda-Torneå: ”Beide Städte haben ein gemeinsames Klärwerk, das war das erste konkrete Projekt. Haparanda kauft seine Fernwärme in Torneå, wir haben eine gemeinsame Grundschule und eine Vereinbarung bei der medizinischen Versorgung.”

Kooperation bei ärztlicher Versorgung 

Dies gilt nicht nur für die schwedisch-finnische Zwillingsstadt Haparanda-Torneå, auch andere Gemeinden im Torniotal arbeiten eng zusammen. Die schwedische Kommune Övertorneå wechselt sich bei der ärztlichen Wochenendbereitschaft mit den finnischen Nachbargemeinden Pello und Ylitornio ab, wie Bengt Westman von der Organisation Bothnian Arc erklärt: ”Sinn und Zweck ist ja, dass die Einwohner so schnell wie möglich medizinisch versorgt werden können. Und deshalb können sie die nächstgelegene Ambulanz in Finnland oder Schweden aufsuchen. Die Anzahl der Arztbesuche wird registriert und dann jeweils der Heimatgemeinde in Rechnung gestellt.”

Meilenweite Fahrten zu schwedischen Ambulanzen entfallen. Das gilt inzwischen auch für den Rettungsdienst. Warum sollen Hilfesuchende auf den schwedischen Rettungswagen warten müssen, der hundert Kilometer entfernt stationiert ist, wenn die finnischen Kollegen nur 25 Kilometer weit weg sind? So hat die schwedische Gemeinde Övertorneå für ihre nördlichen Dörfer den Rettungsdienst im finnischen Pello bestellt. Bengt Westman: ”Das gibt den Menschen mehr Sicherheit. Aber es gibt ein Problem, denn nach den bestehenden Gesetzen dürfen die Leitzentralen des einen Landes nicht über das Personal im anderen Land entscheiden. Auf schwedischer Seite also muss ein schwedischer Einsatzleiter entscheiden. Praktisch löst man das Problem, indem die finnischen Kollegen beim Ausrücken sich die Erlaubnis des schwedischen Einsatzleiters holen, wenn sie auf schwedischem Gebiet sind.”

Findig waren sie schon immer, die Tornio-Taler. Aber an der gesetzlichen Grundlage wird gearbeitet, wie auch am nächsten Projekt der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. So sollen sich die Frauen aus dem Torniotal den langen Weg zur Entbindungsstation in der Provinzhauptstadt Luleå sparen können und ihre Kinder im näher gelegenen finnischen Kemi zur Welt bringen. Die Polizei in Haparanda-Torneå will enger zusammen arbeiten. Aus einer gemeinsamen Polizeistation ist zwar nichts geworden, weil die finnische Polizei dafür kein Geld hat. Es ist aber geplant, finnische und schwedische Beamte gemeinsam auf Streife zu schicken.

Katja Güth

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