Windkraft boomt - Klagen häufen sich

Bislang steht die Windkraft in Schweden gerade einmal für bescheidene 0,7 Prozent der Energieproduktion. Doch das soll sich ändern: In zehn Jahren wird die Zahl nach Einschätzung von Branchen-Organisationen zehnmal so hoch sein. Dafür werden zurzeit in verschiedenen Regionen Schwedens Windkraft-Parks geplant und gebaut. Einer davon soll einst aus dem Wasser des Öresunds wachsen. Doch nicht alle freut solches Tun. Während die einen auf gewaltige Investitionen und sichere Arbeitsplätze für Jahrzehnte hoffen, bangen die anderen um den bislang noch unverstellten Blick auf die malerische Küstenlandschaft.

Die alte Kockums-Werft im Hafen von Malmö: Wo einst Schiffe und U-Boote vom Stapel liefen, wird heute wieder gewalzt, gehämmert und geschweißt. In drei riesigen Hallen entstehen bis zu 100 Meter lange Stahltürme für Windkraftanlagen.

Thomas Abrahamsson ist Geschäftsführer von Windtower Production, einer Tochter des deutschen Anlagenbauers Enercon. Der drahtige Schwede mit dem graumelierten Haar lässt seinen Blick über Mensch und Maschine schweifen: „Dies ist unsere alte U-Boot-Halle. 10 000 Quadratmeter ist sie groß. Die Kräne in dieser Halle können 500 Tonnen heben, 25 Meter hoch. Die Elemente hier sind fertig und bereits zweifach beschichtet. Wir liefern die Türme in drei Teilen, um sie überhaupt mit dem Lastwagen transportieren zu können.“

Gute Auftragslage
Die Auftragsbücher sind prall gefüllt, freut sich der Firmenchef. Sein Unternehmen liefert nach ganz Nordeuropa, Deutschland ist der größte Markt. Aber auch in Schweden kommt das Geschäft in Schwung. Bis zu 30 Prozent könnte der Markt in den nächsten 5 bis 10 Jahren wachsen, schätzt der Schwede. Was er sich jetzt noch wünschen würde, wäre eine verlässlichere Rechtslage, sagt Thomas Abrahamsson: „Wir setzen uns ganz entschieden dafür ein, dass die Genehmigungsverfahren erleichtert werden. Und wir brauchen langfristige Spielregeln. Wir brauchen Umweltzertifikate für grünen Strom, damit die Investoren die Risiken abschätzen und Banken die Kredite geben können. Wenn wir unseren Politikern hier in Schweden glauben können, dann steht uns ein gewaltiger Ausbau bevor. Nicht nur im Bereich der Windkraft, sondern auch bei anderen erneuerbaren Energien.“

Schon Göran Persson, der letzte Ministerpräsident Schwedens, hatte sich das hohe Ziel gesteckt, sein Land unabhängig vom Öl zu machen. Bis 2010 sollte das geschehen, mit Hilfe von Diesel aus Rapsöl und einem sparsameren Umgang mit Energie. Auch die bürgerliche Regierung, setzt auf erneuerbare Energien. Mit der Einführung von Stromzertifikaten will der schwedische Staat die Investitionen in diesem Bereich ankurbeln. Im Norden des Landes sind zahlreiche Windparks geplant. Und auch in Schonen, an der windumtosten Westküste, sollen sich die Windmühlen bald zu hunderten drehen. Die größte Ausbeute erwarten die Ingenieure von Anlagen, die im Meer aufragen.

Klagen verzögern Bau 
Sieben Kilometer vor der Küste, in den dunklen Wassern des Öresunds, montieren Arbeiter die Betonfundamente für 48 gewaltige Windräder. Den Offshore-Windpark Lillgrund wollte der staatliche Energiekonzern Vattenfall eigentlich schon in diesem Sommer in Betrieb nehmen. Doch immer neue Klagen von Anwohnern haben den Zeitplan weit zurückgeworfen.

Jonas Haettner bewohnt ein gelbes Holzhaus in Bunkeflostrand, einem beschaulichen Küstenort südlich von Malmö. Die Aussicht auf emporragende Windmühlen behagt dem Schweden überhaupt nicht: „Wir haben das Haus wegen der Lage gekauft. Das ist unser Lebenstraum. Wir schauen direkt auf den Sund und das aufgewühlte Meer. Jeder Tag bietet ein neues Schauspiel. Doch nun wird das alles zerstört. Windkraftwerke sind furchtbar hässlich, die haben überhaupt nichts in der Landschaft zu suchen. Wenn sie unser schönes Schonen hier mit Windmühlen verschandeln, dann wird das auch dem Tourismus schlecht bekommen. Wer mag sich schon an den Strand legen, wenn er drei Dutzend turmhohe Windräder vor der Nase hat?“

In sämtlichen Instanzen verloren 
Wie einst der Ritter Sancho Pansa zieht Haettner gegen die Windmühlen zu Felde. Bislang ist er mit seinen Klagen durch sämtliche Instanzen immer unterlegen. Doch der streitbare Schwede hofft, das Projekt noch so lange verzögern zu können, dass die Kosten aus dem Ruder laufen.

Auf der Suche nach den Energiequellen der Zukunft wird Schweden an der Windkraft kaum vorbeikommen, sagt Thomas Abrahamsson mit einem entspannten Lächeln im Gesicht. Um die Zukunft seiner Branche macht sich der Anlagenbauer keine Sorgen. Dass auf der alten Kockumswerft statt Schiffsschrauben jetzt Windräder gebaut werden ist Zeichen des Wandels, sagt Geschäftsführer Thomas Abrahamsson: „In den 70ern und 80ern haben wir hier Schiffe gebaut. In dieser Halle hier wurden die Antriebsschrauben für U-Boote gefertigt. Das war schon eine gewisse Umstellung, sich von der Arbeit für die Streitkräfte zu einem Unternehmen mit zivilen Kunden zu entwickeln. Doch für mich ist es ein Traum. Wir haben wunderbare Mitarbeiter und die Zukunft sieht rosig für uns alle aus.“

Agnes Bührig

11.4.2007

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