Äthiopischer Soldat in Somalia (Januar 2007)

Schwedischer Häftling in äthiopischem TV

Bei internationalen Konflikten spielen die Medien eine immer wichtigere Rolle – manchmal mit, manchmal gegen ihren Willen. In Äthiopien hat das Staatsfernsehen nun acht ausländische Häftlinge vorgeführt, die unter Terrorverdacht stehen. Dabei lobte einer der Inhaftierten ausdrücklich die Haftbedingungen. Er soll schwedischer Staatsbürger sein. Doch es ist sehr unsicher, ob das Lob aus freien Stücken kam. Ebenso unsicher ist, ob es sich bei dem Mann tatsächlich um einen Schweden handelt.

Laut dem Außenministerium in Stockholm hat Äthiopien seit Ende vergangenen Jahres rund 40 ausländische Kämpfer gefangen genommen. Ihnen wird vorgeworfen, auf Seiten der Islamisten bei der militärischen Offensive im Nachbarland Somalia gekämpft zu haben. Bei den Kämpfen war eine unbekannte Zahl von Ausländern getötet worden, darunter bis zu zehn Schweden.

Unter den 40 noch lebenden ausländischen Häftlingen könnten laut Stockholmer Außenamt drei Schweden sein. Einen davon präsentierte nun das äthiopische Staatsfernsehen. „Wir werden gut behandelt, bekommen gutes Essen.“, lobt der angebliche Schwede und lächelt dabei, als befinde er sich auf Kur und nicht in einem mittelafrikanischen Militärgefängnis.

”Propagandistische Inszenierung”

Björn Hurtig, der Anwalt der drei in Äthiopien inhaftierten Schweden, hält den TV-Auftritt für eine propagandistische Inszenierung: „Nein, das stimmt garantiert nicht. Unsere eigenen Informationen widersprechen dem in höchstem Maße. Dort werden die Menschenrechte mit Füßen getreten, Folter ist an der Tagesordnung. Die lächelnden, glücklichen Gesichter, die wir im Fernsehen gezeigt bekamen, haben nichts mit der Wirklichkeit zu tun.“

Vielmehr gehe es darum, die Welt von der vermeintlichen Rechtsstaatlichkeit Äthiopiens zu überzeugen, vermutet der Anwalt. Doch dazu bediene sich das Land unlauterer Mittel: „Das ist absolut ein Bruch der Genfer Konvention. Erinnern wir uns nur an die britischen Soldaten, die im Iran gefangen gehalten wurden. Dort sahen sie noch glücklich aus. Doch hinterher berichteten sie etwas ganz anderes.“

US-Soldaten beteiligt

Björn Hurtig geht davon aus, dass seine Mandanten in äthiopischer Haft gefoltert werden. Doch der vermutlich unfreiwillige TV-Auftritt könnte als Anzeichen gewertet werden, dass die schwedischen Häftlinge bald freikommen. Ende März war eine 17-jährige schwedische Staatsbürgerin nach mehrmonatiger Haft aus Äthiopien zurückgekehrt. In schwedischen Medien berichtete sie nun von Folter und menschenunwürdigen Haftbedingungen in dem afrikanischen Land. Die junge Frau war ebenfalls unter Terrorverdacht festgenommen worden – mit Hilfe des äthiopischen Alliierten USA.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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