Einnahmequelle Vormundschaft

Allein im vergangenen Jahr kamen über 800 Flüchtlingskinder ohne Eltern oder andere Verwandte nach Schweden. Diese Zahl könnte sich dieses Jahr sogar verdoppeln. Alle diese Kinder und Jugendlichen bekommen in Schweden einen Vormund. Er hilft bei den Behördengängen, kümmert sich um Schule und Krankenversicherung. Im Normalfall ist ein Vormund nicht für mehr als fünf Kinder verantwortlich. Wie jetzt jedoch bekannt wurde, verdienen manche Vormünder regelrecht Geld mit einer möglichst großen Anzahl Mündeln.

Pro Flüchtlingskind bekommt ein Vormund von der Kommune rund 200 Euro im Monat. Offenbar schnell verdientes Geld, denn etliche Vormünder übernehmen die Verantwortung von 15 bis 20 Kindern. Einer von ihnen ist Metten Behman:

„Zurzeit habe ich 19 Kinder. Sie kommen aus dem Irak, aus Kongo, Somalia, Eritrea und Afghanistan.“

Viel Zeit für einen normalen Job bleibt Metten Behman nicht, die Tage sind vollgepackt. 

„Heute war ich in der neuen Unterkunft von ein paar Jugendlichen, dann war ich bei einem anderen und jetzt bin ich auf dem Sprung zum nächsten Treffen. Aber man schafft das schon. Ich bin für die Kinder da, wenn sie mich brauchen.“

Mehrere Kommunen als Arbeitgeber

Daran hat vor allem die Einwanderungsbehörde so ihre Zweifel. In einigen Fällen hat die Behörde bei den zuständigen Kommunen Alarm geschlagen, doch die Kontrolle der Vormünder fällt schwer. Kaum eine Kommune fragt überhaupt nach, um wie viele Kinder sich ein Vormund bereits kümmert. So können es viele wie Metten Behman machen und für mehrere Kommunen gleichzeitig arbeiten.

Der Staatliche Rechnungshof befürchtet, dass durch die fehlende Kontrolle der Vormundschaften sogar Straftaten unerkannt bleiben. Wirtschaftsprüfer Lennart Grufberg:

„Es besteht das Risiko, dass Geld und Eigentum dieser hilflosen Menschen nicht richtig verwaltet werden. Es kann zu Veruntreuungen kommen oder dass Geld widerrechtlich von Konten abgehoben wird. Das Risiko ist groß, dass die Rechte der Leute missbraucht werden.“

Regelmäßige Kontrollen gefordert

Insgesamt gibt es in Schweden rund 90.000 Vormünder. Die Flüchtlingskinder machen allerdings nur einen geringen Teil der Mündel aus. Der jüngste Bericht des Staatlichen Rechnungshofes stellt fest, dass es in 40 Prozent der Vormundschaften insgesamt zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist. Deshalb fordert der Rechnungshof nun häufigere Kontrollen und dass Kommunen im Zweifelsfall die Polizei einschalten sollen. Einen Vorschlag zu einer eventuellen Gesetzesänderung will die Regierung im Herbst vorlegen.

Liv Heidbüchel

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