Schwedendemokraten im Fernsehduell

Zum ersten Mal seit ihrem Achtungserfolg im vergangenen Herbst haben die rechtspopulistischen Schwedendemokraten an einem Fernsehduell teilgenommen. Damit scheint der Medienbann über die Partei gebrochen. Obwohl die Schwedendemokraten in der Hälfte von Schwedens 290 Kommunen vertreten sind, haben die Medien ihnen bisher kaum ein Forum geboten. Auch die etablierten Parteien haben sich bislang geweigert, der Partei von Rechtsaußen einen Platz in ihrer demokratischen Mitte einzuräumen. Nun jedoch sind sich die meisten einig: Die Schwedendemokraten können nicht länger totgeschwiegen werden.

„Ich finde die neue Situation nach dem Regierungswechsel sehr spannend, aber es ist problematisch, dass man noch immer nicht die Grundproblematik sieht, nämlich dass wir in zu kurzer Zeit zu viele Einwanderer aufgenommen haben.“

So ließ sich Jimmie Åkesson am Donnerstagabend beim Privatfernsehsender TV8 über seine Lieblingsthemen Einwanderer, Überfremdung und Arbeitslosigkeit aus. Der Generalsekretär der Liberalen, Erik Ullenhag, hielt hart dagegen.

„Soll das Schwedens Grundproblematik sein? Das ist doch eine völlig verwirrte Schlussfolgerung. Einwanderer haben dieses Land gebaut.“

Kein Forum bieten 

Die Schwedendemokraten seien eine Einthemenpartei mit einer Abneigung gegen Einwanderer, betonte Ullenhag. Mit diesem Urteil steht er nicht allein. Daher auch die bisherige Weigerung, die rechtspopulistische Partei überhaupt öffentlich zu Wort kommen zu lassen. Der Parteivorsitzende der Linkspartei, Lars Ohly, hält diese Strategie nach wie vor für richtig. 

„Diese Fernsehdebatte regt mich auf, denn sie bietet dem Schlips-und-Kragen-Rassismus eine neue Plattform. Die Wirklichkeitsbeschreibung der Schwedendemokraten ist der Anlass der Debatte und deshalb gewinnen sie diese Debatten auch immer, ganz egal, wie sehr man sich anstrengt. Sie beschreiben Einwanderung als Problem und damit ist Einwanderung ein Problem.“

An gesunden Menschenverstand appellieren

Liberalen-Politiker Erik Ullenhag wiederum hofft, dass sich die Schwedendemokraten durch ihre verbalen Fehltritte in der Öffentlichkeit selbst diskreditieren.

„Es besteht immer das Risiko, dass man diesen Leuten ein Forum schafft, aber gleichzeitig glaube ich daran, dass ich Wähler mit guten Argumenten und gesundem Menschenverstand dazu bringen kann, an das zu glauben, woran ich glaube: nämlich eine Offenheit gegenüber der Umwelt. Ich denke, sehr wenige Schweden teilen die verwirrten Überlegungen der Schwedendemokraten, ob Nationalspieler Zlatan Schwede ist oder nicht. Und das muss man zeigen!“

Auf dem besten Weg in den Reichstag

Diese Meinung teilen auch die Konservativen. Ihr Generalsekretär Per Schlingman wird am kommenden Sonntag der nächste Gegner Jimmie Åkessons im Fernsehen sein. Selbst die Vorsitzende der Sozialdemokraten, Mona Sahlin, hält eine Auseinandersetzung mit den Rechtspopulisten auf diesem Wege nicht mehr für ausgeschlossen. Ein Umschwenken scheint auch nötig. Jüngste Umfragewerte bescheinigen den Schwedendemokraten einen Zuspruch von 3,5 % der Wähler. Damit rückt der Einzug in den Reichstag in greifbare Nähe. Ein fester Platz in den Medien wäre ihnen dann garantiert.

Liv Heidbüchel

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