Streit um UNESCO-Kulturerbe

Die Dreifaltigkeitskirche in Karlskrona, auch Deutsche Kirche genannt, zählt zum Weltkulturerbe der Unesco. Darauf sind die Bürger Karlskronas aber nicht mehr nur stolz. Zahlreiche Restriktionen machen regelmäßige Gottesdienste unmöglich. Nun pocht die Gemeinde darauf, das Kirchengebäude nach ihren Vorstellungen nutzen zu können. Doch die Behörden haben massiven Widerstand angekündigt. Sie wollen den ursprünglichen Charakter der Dreifaltigkeitskirche bewahren.

Regelmäßige Besucher der Dreifaltigkeitskirche in Karlskrona sind mittlerweile nur noch die Tauben. In dem erdfarbenen Rundbau, der Ende des 17. Jahrhunderts nach dem Vorbild des Römischen Pantheons errichtet wurde, finden nur noch in Ausnahmefällen Gottesdienste statt. Grund dafür sind die eng angeordneten Bänke im Innenraum, die wie das gesamte Gebäude unter Denkmalschutz stehen.

Aus der einst so prunkvollen Dreifaltigkeitskirche sei ein totes Museum geworden, klagt der Gemeindevorsteher Stefan Lövqvist: „Die Bänke nehmen den ganzen Platz weg. Einen Chor oder ein Orchester kann man hier nie einsetzen. Unsere normale Kirche, die Fredrikskirche, reicht zwar für unsere Gemeindezwecke aus. Wenn man aber diese große Kirche hier zur Verfügung hat, dann will man die auch nutzen. Beide Kirchen könnten einander komplettieren.“

Spiegelbild schwedischer Großmachtzeit 

Bestrebungen, die einst von deutschen Handwerkern erbaute Dreifaltigkeitskirche in den aktiven Gemeindealltag Karlskronas einzubeziehen, hat das Landesantiquariat bislang erfolgreich einen Riegel vorgeschoben. Dies sei mit dem herausragenden historischen Wert als Unesco-Kulturerbe nicht zu vereinen, meint Leif Stenholm vom Landesantiquariat.

Schließlich gebe es noch eine weitere Kirche in Karlskrona: „Drei Kirchen in einer kleinen Stadt wie Karlskrona sind natürlich zuviel. Die Dreifaltigkeitskirche ist einzigartig. Sie ist ein abstraktes Spiegelbild der schwedischen Großmachtzeit. Das lässt sich an der gesamten Architektur ablesen, an den Bänken, an ihrer Anordnung. Diese Kirche ist einzigartig in Schweden.“

Aktiver Gottesdienst 

Gemeindevorsteher Lövqvist kann solchen Argumenten wiederum nicht allzu viel abgewinnen. Für ihn ist es wichtig, mit der Zeit zu gehen. Er will in dem denkmalgeschützten Bau in Zukunft moderne Gottesdienste abhalten, bei dem die Gläubigen nicht still auf ihren Bänken verharren, sondern sich im ganzen Gebäude frei bewegen: „Unterschiedliche Generationen, Menschen hinterlassen im Lauf der Geschichte ihre Fußspuren. Das ist ähnlich den Jahresringen bei Bäumen. Es ist doch klar, dass Gottesdienste heute anders aussehen als zu der Zeit, als die Kirche erbaut wurde.“

Neun Jahre, nachdem sie in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde, wird die Dreifaltigkeitskirche in Karlskrona nun zum juristischen Zankapfel. In erster Instanz bekam das Landesantiquariat Recht. Nun zieht die Gemeinde Karlskrona mit moralischem Beistand des Bischofs von Lund bis vor das Regierungsgericht. Der Ausgang ist vollkommen offen.

Beinahe kulturelle Grabschändung

Für Antiquar Leif Stenholm käme ein Umfunktionieren der Kirche einer kulturellen Grabschändung gleich: „Ich habe zwar ehrlich gesagt keine Belege dafür, aber das Kirchengebäude an sich ist hochsymbolisch. Es ist die Kirche als Stadt bzw. die Stadt als Kirche. Der Bauplan spiegelt das alte Karlskrona wider. Zudem stehen die unterschiedlichen Bankreihen für die jeweilige Hierarchie von damals.“

Indes zweifelt Gemeindevorsteher Stefan Lövqvist an dem Argument, ein Unesco-Erbe dürfe keinen praktischen Nutzen erfüllen. Dies dürfe erst recht nicht für eine Kirche gelten: „Das geschichtliche Bild, das das Landesantiquariat zu zeichnen versucht, hat überhaupt nichts damit zu tun, wie wir die Kirche heute anwenden. Das ist vollkommen uninteressant. Ein Weltkulturerbe soll die Menschen tagtäglich erfreuen und nicht nur das Bild einer längst vergangenen Zeit wiedergeben.“

Ein Fall für die Justiz 

Die Fronten im Karlskronaer Kirchenstreit bleiben einstweilen verhärtet. Dabei wäre er zu gewissen Zugeständnissen an die Gemeinde durchaus bereit, erklärt Leif Stenholm vom Landesantiquariat: „Man will Chöre haben, neue Gottesdienstrituale. Ja sicher, dafür kann man schon mal eine Bankreihe opfern. Aber hier geht es um ein Weltkulturerbe, das es zu schützen gilt. Das Wort Museum wird oft negativ als etwas Rückwärtsgewandtes verstanden. Ich sehe das anders. Es wäre gut, wenn wir dieses Gebäude auf jene Weise nutzen könnten, für die es gedacht war.“

Doch was genau der ursprüngliche Sinn der Dreifaltigkeitskirche war – architektonisches Zeitzeugnis oder aktives Gotteshaus -, darüber muss nun die Justiz entscheiden.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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