Fördermittel für Literaturübersetzungen gestrichen

Lesen bildet. Und der Bildungseffekt nimmt zu, wenn man Werke ausländischer Verfasser zur Verfügung hat. In den meisten Fällen sind die Leser dazu auf die Fleißarbeit von Übersetzern angewiesen. Die wollen natürlich dafür bezahlt werden. In Schweden hat das dank staatlicher Hilfe lange funktioniert. Aber nun hat die öffentliche Hand den Geldhahn zugedreht.

Schwedische Literatur ist im Ausland beliebt. Waren es früher Dramen von Strindberg oder Lagerlöf-Märchen, so sind es heute die Kinderbücher von Astrid Lindgren und Krimis von Sjöwall/Wahlöö oder Henning Mankell.

Die Popularität schwedischer Autoren wurde jahrelang staatlich gefördert. Aus Steuermitteln gab es Zuschüsse für Übersetzungen in zahlreiche Sprachen.

Diese finanzielle Unterstützung wurde nun gestrichen. Auf Empfehlung einer kulturpolitischen Expertengruppe erhält statt dessen der Staatliche Kulturrat die Gelder für andere Projekte. Die zuletzt umgerechnet 220 000 Euro muten zwar verhältnismäßig bescheiden an, doch war man beim bisher federführenden Schwedischen Institut froh über die Zuwendungen.

Daniel Gustafsson, Projektleiter für Übersetzungsarbeiten, gibt zunächst einen Überblick über die Verwendung der Mittel.

„Mit Hilfe dieses Geldes wurden jährlich ungefähr einhundert Bücher übersetzt, und zwar in jeweils etwa zwanzig Sprachen.“

Umso größer war dann die Enttäuschung, als die Zuschüsse wegfielen. Appelle an die verantwortlichen Stellen nutzten nichts. Daniel Gustafsson:

„Natürlich haben wir gegen die Streichung protestiert, denn wir finden es schlimm, dass das Geld verschwindet. Das Problem ist nun zwischen verschiedene Ministerien geraten, und es ist schwer zu sagen, wer jetzt dafür zuständig ist.

Beim Außenministerium hat man Verständnis für die Sorgen von Daniel Gustafsson. Der Abteilungsleiter für kulturelle Fragen, Fredrik Wetterkvist, räumt ein:

„Das ist schon ein Problem, dass die Mittel gestrichen wurden und dass die zwei Millionen Kronen nicht durch Geld aus anderen Quellen ersetzt werden konnten. Wir versuchen inzwischen, das nötige Geld woanders aufzutreiben, und ich hoffe, dass wir in den nächsten Monaten in Gesprächen mit dem Kulturministerium und dem Staatlichen Kulturrat Lösungsalternativen finden werden.“

Eine solche Alternative könnte wie so oft von privater Seite kommen. Fredrik Wetterkvist:

”Wir haben auch einen Vorschlag von der schwedischen Verlegervereinigung bekommen. Sie plant eine Art Goldener Mittelweg, nämlich die Schaffung einer Zentrale für alle Fragen der Literaturförderung.“

Also doch noch ein Hoffnungsschimmer, denn wenn die Schweden etwas lieben, dann ist es der Goldene Mittelweg.

Klaus Heilbronner

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