Aktion Maiblume hat begonnen

In Schweden beginnt der Frühling, wenn im April die Schulkinder von Tür zu Tür ziehen und bis zum ersten Mai für ein paar Kronen Maiblumen verkaufen. Der Erlös aus dem Verkauf der kleinen Anstecknadeln aus Metall wird für wohltätige Zwecke verwendet. Die allererste Blume dieses Jahres erwarb bereits gestern Königin Silvia.

Vor genau einhundert Jahren rief eine Göteborger Hausfrau namens Beda Hallberg eine Wohltätigkeitsaktion ins Leben, die seither alles Gleichartige in Schweden locker in den Schatten stellt: das Unternehmen Maiblume. In jedem Frühling bieten seit damals neun- bis zwölfjährige Kinder an gut bevölkerten Plätzen in Stadt und Land kleine, auf Draht gesteckte Kunstblumen an. Sie kosten heute zehn Kronen, also gut einen Euro. Der Erlös kommt bedürftigen Kindern zugute. Die vielfarbigen Blümchen stecken sich die Schweden gern an den Jackenkragen oder auch an den Kühler ihres Volvos. Im vergangen Jahr brachte die beliebte Sammelaktion umgerechnet viereinhalb Millionen Euro ein. Lena Holm, die Generalsekretärin des Maiblumen-Verbandes berichtet über die Anfänge der karitativen Aktion:

„Als die Maiblume 1907 geschaffen wurde, herrschte extreme Armut in Schweden, und die Tuberkulose grassierte im Land. Damals ging es vor allem um Gesundheitsvorsorge. Man schickte Kinder in Sommerferienlager, wo sie gut zu essen bekamen und die damals wie heute so wichtige Milch trinken konnten.“

Zwar wich die Armut allmählich einem zunächst bescheidenen Wohlstand, aber das änderte nichts an der Beliebtheit der blumigen Kinderhilfe; sie wurde im Gegenteil immer populärer, auch wenn sich die Bedürfnisse änderten.

Lena Holm:

„Als es der Gesellschaft besser ging, wurde das Geld mehr dazu verwendet, Kindern das Leben gewissermaßen mit einem Goldrand zu verschönern. Aber inzwischen sind wir fast wieder an einem Punkt angelangt, wo wir feststellen müssen, dass es in Schweden viele arme Kinder gibt.“

Ein deutlich an die verantwortlichen Politiker gerichteter Warnruf. Wir wollten wissen, wie heute die Einnahmen aus dem Blumenverkauf verteilt werden. Lena Holm gibt Aufschluss:

„Am meisten gestiegen sind Beiträge für Lebensmittel und Kleidung, gefolgt von Reisen und Ferienlagern für Stadtkinder. Die Sommerferien sind bei der Aktion Maiblume besonders wichtig.“

Nicht ohne Stolz berichtet Lena Holm, dass Königin Silvia auch in diesem Jahr die erste war, die Maiblumen gekauft hat:

„Die Königin ist die Schutzpatronin der Maiblume und damit auch ein Vorbild für alle Erwachsenen. Wir träumen davon, dass wir in diesem Jahr 90 Millionen Kronen sammeln können. Denn das würde bedeuten, dass wir jedem Einwohner Schwedens eine Maiblume verkauft hätten.“

Das müsste doch zu schaffen sein.

Klaus Heilbronner

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