Einwandererkinder rebellieren in Rosengård

Der Frust und die Ausweglosigkeit des Ghettos hat sich im Malmöer Stadtteil Rosengård Luft gemacht. Die Berichte über Randalen, Brandstiftungen und Scharmützeln mit der Polizei reißen in dem von Einwanderern dominierten Stadtteil nicht ab. Jetzt hat Bürgermeister Ilmar Reepalu zu einer Krisensitzung einberufen, denn er befürchtet die gleichen Zustände wie in den französischen Einwanderervororten und eine weitere Eskalation der Gewalt.

Jugendliche, ja sogar Kinder sind es meist, die Rosengård in die Schlagzeilen der schwedischen und inzwischen auch der internationalen Medien bringen. Sie zünden Müllcontainer an, werfen Steine auf Polizisten und liefern sich Prügeleien. Die Situation in Rosengård droht, immer mehr außer Kontrolle zu geraten. Bürgermeister Ilmar Reepalu ist besorgt: „Was hier passiert ist, können wir nicht hinnehmen. Es handelt sich hier meist um Kinder im Alter von 10, 12 Jahren. Wo sind da die Eltern. Warum sind Kinder um 12 Uhr nachts auf der Strasse? Doch es geht nicht nur darum. Hier wohnen 5000 Flüchtlinge, davon 600 die gerade erst angekommen sind. Es ist zu eng dort. Die Hälfte der Bevölkerung dort ist unter 20. Jeder Vierte ist im Schulalter. Das sind extreme Verhältnisse. Nur 15 Prozent haben einen Job und ein Einkommen.“

Diese Aussichtlosigkeit und das triste Dasein sind dem 18Jährigen Ramadan Fakhro bekannt. Er ist einer der Wenigen, die es geschafft haben einen Arbeitsplatz zu finden. Er weiß um die Situation der Kinder und Jugendlichen in Rosengård: „Sie sagen, dass sie nichts zu tun haben. Sie sitzen einfach nur draußen. Sie haben keine Arbeit, weil ihnen niemand eine gibt, weil sie andersklingende Namen haben. Und dann haben sie keinen Ort, wo sie sein können.“

Alternativen fehlen 

Fahkro findet, dass die Stadt Malmö einfach mehr in Rosengård investieren und mehr Freizeitalternativen bieten müsse. Der sozialdemokratische Bürgermeister Reepalu geht dagegen hart mit der Flüchtlings- und Integrationspolitik ins Gericht: „So geht es mit der Flüchtlings- und Asylpolitik nicht weiter. Die Menschen, die zu uns kommen, müssen so schnell wie möglich in Kontakt mit dem Arbeitsmarkt kommen. Aber wir müssen auch zusammenarbeiten im Stadtteil Rosengård, die Bevölkerung zusammen mit der Polizei und den Behörden. Die Kriminalität ist ja in letzter Zeit gesunken.  Und dann so was, dass 100 Jugendliche 5000 Einwohner in Angst und Schrecken versetzen. Jetzt ist auch die Regierung gefragt.“

Reepalu spielt darauf an, dass Stadteile wie Rosengård immer mehr zum Ghetto verkommen, weil die Regierung den Zuzug neuer Flüchtlinge und Einwanderer dorthin nicht verhindert.

Arbeit als Schlüssel zur Integration

Die zuständige Ministerin Nyamko Sabuni erklärt dagegen, dass man den Leuten nicht verbieten könne an einen bestimmten Ort zu ziehen. Sie ist sich jedoch einig mit Ramadan Fahkro, dass der Schlüssel zu einer besseren Integration und zum Frieden in Rosengård ein Arbeitsplatz ist. Bisher, so betont sie, sei es für einen Einwanderer schwer gewesen, einen Job zu finden: „Man bekommt keinen Job, weil es viel zu lange zu wenige Jobs gegeben hat. Und ich weis auch, dass man diskriminiert wird. Aber je mehr Jobs es geben wird, desto weniger Diskriminierung wird es geben. Wir müssen den Arbeitsmarkt zugunsten der Arbeitnehmer verändern. Also muss es genügend Arbeitsplätze geben.“

Die Regierung in Stockholm baut darauf, dass auch Einwanderer zum Zug kommen, wenn Unternehmen dringend nach Arbeitskräften suchen. Entsprechende Programme wurden dabei auch aufgelegt, so wird die Anstellung von Langzeitarbeitlosen subventioniert. Den Menschen in Rosengård bleibt nun vorerst das Warten auf die Arbeitsplätze, die ihnen von der Regierung in Stockholm angekündigt wurden.

Dieter Weiand

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