Terrorverdächtiger Schwede in Prag vor Gericht

Terrorist oder nicht? Ein tschechisches Gericht muss jetzt entscheiden, ob amerikanische Vorwürfe gegen einen vor anderthalb Jahren in Prag verhafteten schwedischen Staatsangehörigen berechtigt sind. In diesem Fall muss der Beschuldigte mit seiner Auslieferung in die USA rechnen.

In Prag hat ein Prozess gegen einen 41jährigen schwedischen Staatsbürger arabischer Herkunft begonnen. Ihm wird die Vorbereitung von Terroranschlägen zur Last gelegt. Der Mann war im Dezember 2005 in der tschechischen Hauptstadt verhaftet worden, nachdem ihn Interpol zur Fahndung ausgeschrieben hatte. Die internationale Polizeibehörde entsprach damit einem Ersuchen des amerikanischen Geheimdienstes CIA und der Bundespolizei FBI. Sie erheben massive Vorwürfe gegen den schwedischen Staatsbürger. So soll er Freiwillige für Anschläge in den USA angeworben und ausgebildet haben. Dabei soll er mit dem mutmaßlichen Planer der 2005 in London verübten Anschlagsserie zusammengearbeitet haben. Die USA wollen ihn deshalb zur Verantwortung ziehen. Eine Sprecherin der amerikanischen Botschaft in Prag stellte klar:

„Wir hoffen, dass der Angeklagte and die Vereinigten Staaten ausgeliefert wird. Auf jeden Fall erwarten wir, dass der Fall hier in Tschechien nach dem höchsten juristischen Standard verhandelt wird.“

Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Sein tschechischer Verteidiger will für einen Freispruch plädieren. Seine Begründung:

„Die vorliegenden Informationen können unmöglich als Beweismaterial dienen. Wir halten diese Informationen für fragwürdig.“

Der Angeklagte hat sich selbst als stolzen Anhänger von Al-Quaida-Chef Osama Bin Laden bezeichnet. Aber was noch schwerer wiegt: Bei einer Durchsuchung der schwedischen Wohnung des Mannes hatte die Polizei vor einigen Jahren nicht nur Al-Quaida-Propagandamaterial sichergestellt, sondern auch mehrere Waffen. Er war daraufhin wegen des Verdachts der Vorbereitung von Terroranschlägen angeklagt worden. Die schwedischen Justizbehörden hatten jedoch keinen Anlass für Ermittlungen in dieser Richtung gesehen. Der Mann wurde damals lediglich wegen unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt.

Nun muss das Prager Gericht entscheiden.

Klaus Heilbronner

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