Carl von Linné

Linnés Botanischer Garten

Warum heißt der Mensch Homo sapiens und einer der räuberischsten Dinosaurier Tyrannosaurus rex? Die Antwort ist ganz einfach: Weil ein gewisser schwedischer Botaniker und Naturforscher sie klassifiziert hat: Carl von Linné. 1735 legte er seine erste Ausgabe der „Systemae Naturae” vor. Gelebt und geforscht hat er in Uppsala. Wie, das kann man bis heute im Botanischen Garten der Stadt sehen, wo in seinem ehemaligen Wohnhaus das Linnémuseum untergebracht ist. Hier wohnte er von 1743 bis 1778.

Linnés Botanischer Garten in Uppsala ist ein begehbares Lehrbuch für angehende Botaniker und Mediziner. Das überschaubare Areal ist in vier Abteilungen eingeteilt, für jede Jahreszeit eine. Daneben gibt es eine Senke mit fließendem Wasser und ein Beet mit reichlich Feuchtigkeit für Pflanzen, die in Mooren gedeihen. Gleich daneben kniet Lena Hansson mit ihrer Kollegin vor jungfräulichen Beeten und sät: Mit einer kleinen Schaufel zieht sie eine kurze Furche, dann werden die Samen ausgestreut, am Ende das Namenschild gesetzt. 

Elisabeth Hortonom erklärt das Verfahren: ”Der Garten diente früher den Medizinstudenten. Neben Pflanzen mit Heilwirkung wurden hier Küchenkräuter oder Pflanzen zum Färben gesät. Außerdem eine Reihe von Arten für die Forschung, die Linné in sein Kategoriensystem aufnehmen wollte. Im 18. Jahrhundert wusste man nicht von allen Gewächsen, welchen Nutzen sie haben. Da hinten etwa steht das große Immergrün. Heute dienen zwei seiner Inhaltsstoffe zu Behandlung von Krebs. Davon wusste man jedoch im 18. Jahrhundert noch nichts.”

Im Haus gleich am Eingang zum botanischen Garten verarbeitete Carl von Linné seine Erkenntnisse. Im Studierzimmer steht neben dem Schreibtisch ein hoher schmaler Schrank mit vielen Schubladen - hier verwahrte der Naturforscher seine Studienobjekte, die er vorher sorgsam präparierte, erzählt Mikael Norrby, der Besucher der Universität herumführt: ”Man hat sie getrocknet und im besten Fall in den Arsen- oder Quecksilberdampf gehalten, um sie vor dem Befall durch Insekten zu schützen. Am üblichsten war, sie in Holzkästen einzubauen, mit einer Scheibe davor. Auch Fische und Vögel wurden präpariert: Man schlitzte sich auf, nahm die Innereien heraus, presste sie, salzte sie und montierte sie dann auf Papierbögen. Das ging wunderbar.”

Eine blühende Wissenschaft

Carl von Linné wird 1707 in eine Zeit geboren, in der die Wissenschaft blüht. Der Sohn eines Pfarrers in Råshult in Småland kann bereits von den naturwissenschaftlichen Entdeckungen Newtons oder Leibnitz’ profitieren, später wird er Mitbegründer der Königlichen Schwedischen Wissenschaftsakademie. Sein eigener Forscherdrang auf dem Gebiet der Botanik zeigt sich schon früh. Nach Studien in Lund und Uppsala bricht er zu Forschungsexpeditionen nach Lappland, Gotland und Schonen auf.

Mit 64 Jahren wird er geadelt. Brief und Sigel sind im Linnémuseum ausgestellt, doch der Weg zum Adelstitel war ein besonderer, erklärt Mikael Norrby: ”1761 sollte Linné zusammen mit 60 weiteren Personen geadelt werden. Die regierende Partei der Hüte wollte ihre Macht befestigen, indem sie einigen Parteifreunden einen Sitz im Reichstag verschaffte, denn Adlige waren automatisch Mitglieder des damaligen Parlaments. Dass er seinen Adelsbrief in einer Massenveranstaltung bekommen sollte, das störte Linné jedoch gewaltig. Und hier sehen wir das königliche Schreiben, das Linnés Adelung auf 1757 vordatiert. Kostenpunkt: ein Jahresgehalt - aber es war ihm sehr wichtig.”

Die richtigen Kontakte

Linné war nicht nur ein ausserordentlich begabter Botaniker, er wusste seinen Ruf auch durch die richtigen Kontakte zu befestigen, erzählt Mikael Norrby. Verheiratet war er mit der Tochter eines Arztes aus der Grubenstadt Falun - einem gleichsam mächtigen wie reichen Mann. Nach seiner Promotion in den Niederlanden hält er per Brief Kontakt zu Forschern in ganz Europa und schickt seine Jünger zu Forschungsreisen bis ins Eismeer und zum Kap der guten Hoffnung.

Und in seinem botanischen Garten tummelten sich exotische  Tiere, erzählt Mikael Norrby: ”Hier sehen wir eines von Linnés Affenhäuschen. Hier im Park gab es Affen, Papageien, einen Waschbären und sogar ein Kamel, das ihm aus Russland zugesandt wurde, ein langhaariges Exemplar, das leider an Lungenentzündung starb. Mit den Affen hatte er besonderes Mitleid. Er wollte sie nicht einsperren, weshalb er diese Affenhäuschen baute. Damit hatten die Tiere eine gewisse Bewegungsfreiheit und konnten oben sitzen und runtergucken und in ihrem kleinen Häuschen Schutz zu suchen.

Touristenmagnet in Uppsala

Heute sind es vor allem Touristen und Einheimische, die Linnés botanischen Garten in Uppsala besuchen. Ab und zu sieht man jedoch auch kleinere Gruppen von Studierenden - bis heute dient das Areal als lebendes Lehrbuch - Blumenbeet statt Botanikbuch!

Agnes Bührig

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