„ik2” hilft Existensgründern

International ist die schwedische Industrie vor allem durch große Konzerne bekannt; Ericsson, Ikea, Scania, H&M, Tetra. Doch es sind in Schweden wie in Deutschland vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen. Im südschwedischen Skåne fördert man deshalb besonders junge Existenzgründer und kleine Firmen, die Innovationen auf den Markt bringen wollen. Extra für sie gibt es eine Ratgeber-Schmiede mit dem Namen „ik2”. Das steht für Innovation und Wissen.

Die Fassaden glitzern im Sonnenlicht. Der Norden von Malmö: Sanierte ehemalige Fabrikhallen wechseln sich ab mit modernen Bürogebäuden und den Einrichtungen der Universität. Von der alten Industrie vergangener Jahrzehnte ist nicht viel geblieben. Statt dessen setzen die Stadt Malmö und die Region Skåne auf Innovation: auf neue Firmen mit neuen Produkten und Dienstleistungen.

Wer die Idee für solch eine Neuerung hat und sie auf den Markt bringen möchte, der ist bei Maria Lindblom und ihren Kollegen von ik2 gut beraten. Sie sitzen in einem der Gebäude im Norden von Malmö und haben den Umbruch von der alten Industriestadt zur modernen Wissensmetropole direkt vor der Tür: „Das ist kein Zufall. Wir wollen in einem Milieu sein, in dem neue Dinge passieren, Studenten unterwegs sind, Unternehmen gegründet werden. Wir platzieren uns also ganz strategisch an verschiedenen Stellen in Skåne.”

Jede neue Idee ist willkommen
Außer in Malmö gibt es Büros von ik2 an ähnlichen Stellen in Helsingborg und in Kristianstad. Überall dort werden die Fragen für Erfinder, Entwickler, Ideenträger, angehende Unternehmer geklärt: Gibt es Käufer für ein neues Produkt? Welches Wissen steht zur Verfügung, um das Produkt auf den Markt zu bringen? Gibt es vielleicht Konkurrenten, die schneller sind? Muss ein Patent angemeldet werden? Jeder, der mit einer neuen Idee im Kopf bei ik2 anklopft, ist willkommen. Und sei die Idee auch noch so verrückt. Kopfschütteln gibt es nicht, weggeschickt wird niemand, versichert Maria Lindblom.

„Nein, das passiert nicht”, sagt sie. „Ich kann doch nicht von vorne herein entscheiden, ob jemand erfolgreich sein wird. Ich kenne doch die Voraussetzungen gar nicht. Dinge können sich entwickeln und nichts ist unmöglich. Meine Aufgabe ist es, Antworten auf die Fragen zu geben, dass man vorwärts kommt. Entweder das klappt, oder man muss seine Idee umformulieren oder erweitern.”

Spezielle Berater stehen zur Seite
Da ist zum Beispiel ein Biotechnik-Unternehmen. Es hat einen Stoff entwickelt, der Polizisten hilft, am Tatort DNA-Spuren zu finden. Sie kommen zum Beispiel im Speichel vor, sind aber mit bloßem Auge oft nicht zu entdecken. Oder der Kollektomat; ein Produkt für Kirchen. Statt wie bisher mit dem Klingelbeutel können Spenden im Kollektomat mit EC-Karte bezahlt werden, bargeldlos. Oder die neue Kartoffel-Erntemaschine. Sie sortiert Steine und Erdklumpen aus, die sich zwischen den Kartoffeln befinden.

So verschieden wie die Ideen sind auch die Interessen, Wissensgebiete, das Alter und die Ausbildung der sieben ik2-Berater. Maria Lindblom zum Beispiel ist Designerin. Daneben gibt es einen Betriebswirtschaftler, Ingenieure, eine Gartenbau-Expertin. Sie alle achten darauf, dass bei den Innovationen kreuz und quer gedacht wird, dass zum Beispiel die neue Kartoffel-Erntemaschine nicht nur von der Gartenbau-Expertin betreut wird.

Kredite leisten Starthilfe
Stimmt die Idee, fehlt oft das Geld. Auch hier hilft ik2 weiter. Denn gerade zu Beginn sind Banken besonders skeptisch, zumal wenn es sich um einen Existenzgründer handelt. Dafür vermittelt ik2 einen speziellen Kredit, der nur dann zurückgezahlt werden muss, wenn das Projekt erfolgreich ist.

Denn eine Erfolgsgarantie können Maria Lindblom und ihre Kollegen freilich nicht geben. Aber unterm Strich sind nach drei Jahren fast die Hälfte aller Neuerungen am Markt erfolgreich. Keine Bevölkerungsgruppe sticht durch besonders viele oder gute Neuerungen besonders hervor: da gibt es Techniker ebenso wie Krankenschwestern oder Leute im Elternurlaub. Und was den Innovations-Beratern von ik2 besonders am Herzen liegt: die Hälfte der Menschen mit guten Ideen sind Frauen.

Markus Wetterauer

1.6.2007

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