Ein Klick für den Wald

Schweden ist bekannt und beliebt für seinen Wald. Über die Hälfte des Landes ist mit Wald bedeckt, und der Wald hat eine grosse wirtschaftliche Bedeutung. 20 Prozent des schwedischen Exportes machen Holzprodukte aus. Und das führt zu immer mehr Kahlschlägen, inzwischen werden zwei Drittel des nachwachsenden Waldes abgeholzt. Zwei junge Frauen aus Luleå wirken dem entgegen und haben eine Stiftung gegründet, die den Wald rettet.

Jenny Strand geht gerne in den Wald. Junger Birkenwald und alter Kiefernwald ist direkt vor ihrer Haustür in den kleinem Dorf Bensbyn nahe Luleå. Wald, das ist für die junge Filmgrafikerin so wichtig wie die Luft zum Atmen. Den Wald hat sie vor allem schätzen gelernt, als sie ihn nicht vor der Haustür hatte: ”Ich habe in London gewohnt und fand -oje- keine Natur. Wenn ich im Park war, fuhren Autos vorbei, Jogger, spielende Kinder überall, Lärm. Es war nicht so wie jetzt hier, ruhig mit Vogelzwitschern.”

Dennoch hat es Jenny Strand zehn Jahre in der britischen Hauptstadt ausgehalten, bis sie zurück nach Hause kam. Und gemeinsam mit ihrer Freundin Ann Rask, die ebenfalls mehrere Jahre im Ausland wohnte, die Stiftung ”Ein Klick für den Wald” gründete: ”Jedes Mal, wenn wir mal wieder nach Hause kamen, sahen wir wieder neue Kahlschläge im Wald. Wir wollten was dagegen tun. Zuerst dachten wir, wir spenden zehn Prozent von unserem Lohn einer Stiftung zur Rettung des Waldes. Aber so eine gab es nicht. Wir haben in ganz Schweden gesucht, aber es gab keine Stiftung, die sich für alten Wald einsetzt. Da dachten wir; okay, dann müssen wir das machen, damit es in Schweden nicht so wird wie in London.”

Ehrenamtliche Tätigkeit

Neben der Arbeit und ohne Lohn für den Aufwand haben die jungen Frauen die Stiftung ”Ein Klick für den Wald” aufgebaut und Sponsoren aufgetrieben. Das Konzept ist pragmatisch: Allein, wer die Internetseite ”Ett klick för skogen” anklickt, hat schon Geld gespendet und einen Baum vor dem Abholzen bewahrt. Darüberhinaus kann man einen Baum kaufen, 20 Euro für eine alte Kiefer und fünf Euro für eine alte Birke.

Der Stiftung geht es vor allem um jenen Wald, der für die Holzwirtschaft so wertvoll ist und nicht unter Naturschutz steht: über hundertjährige Kiefern, Fichten und Birken, die besonders begehrt sind. Die Bäume im Norden Schwedens wachsen durch die kurze Vegetationsperiode sehr langsam, das Holz ist von guter Qualität. Gerade sind die Holzpreise hoch, dank der verstärkten Nachfrage aus China. Und da vor allem in Nordschwedens küstennahen Gebieten der meiste Wald in privater Hand ist, schöpfen die Waldbesitzer diese Einkommensquelle aus.

Keine ”Baum-Umarmer”

”Wir sind keine ”Baum-Umarmer”, die sich an Bäumen festketten. Wenn ein Waldbesitzer nicht an uns verkaufen will - gut. Dann suchen wir eben andere Wälder”, erklärt Jenny Strand die Philosophie der Stiftung, die sich damit von jenen Umweltaktivisten abgrenzt, die durch solche Aktionen versuchen, Wald vor dem Abholzen zu bewahren.

Denn beim Bewahren der alten Wälder klafft eine nicht unerhebliche Lücke im Gesetz. Wenn die Behörden einen Wald unter Schutz stellen, dann gilt dies nur für Gebiete bis zu fünf Hektar, oder für Wälder ab 200 Hektar. Dann werden die Besitzer finanziell entschädigt. So war es mit dem Wald in Årrenjakka nahe Jokkmokk. Die Stiftung hat 70 Hektar gekauft, die jetzt Naturreservat sind.

Ewiger Schutz des Baumbestands

”Der Wald ist jetzt für immer geschützt. Hätten wir das nicht gemacht, wäre der Wald abgeholzt worden. Genau gegenüber ist eine Touristenstation, mit vielen deutschen, englischen und schwedischen Touristen. Und die wären sicher ferngeblieben, wäre der Wald abgeholzt worden.”

Etwa 90.000 Euro hat die Stiftung zur Rettung dieses Waldbestandes eingesammelt. Und die Sammlung geht weiter. Inzwischen sind über 170.000 Euro zusammen gekommen. Der nächste zu rettende Wald wird gerade gesucht, vorzugsweise in Südschweden. Denn auch dort, sind sich die Waldbewahrer sicher, gibt es Wald zu retten.

Katja Güth

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