Aufsichtsbehörde kritisiert AKW Forsmark

Das Kernkraftwerk Forsmark ist seit dem vorigen Sommer häufig in den Mittelpunkt der Kritik geraten. Störfälle, mangelndes Sicherheitsbewusstsein des Personals, ungenügender Schutz gegen Überfälle, die Liste der Mankos ist lang. Einigen dieser gefährlichen Unzulänglichkeiten wollte die Leitung von Forsmark durch einen Umbau begegnen. Aber die zuständige Kontrollbehörde SKI prangert die Neuerungen als zu kompliziert für das Personal an.

Die Technik und das Stromsystem von Forsmark seien nach dem Umbau zu komplex geworden und überforderten das Personal, meint die schwedische Kernkraftaufsichtsbehörde SKI. In Krisensituationen müssen Kontrollräume und Alarmsysteme so konzipiert sein, dass das Personal nicht in Informationen ertrinkt.

Yvonne Liljeholm Johansson von SKI hat Forsmark inspiziert: „Man kann zum Beispiel enorm viele Alarm- und Warnsignale einrichten, die das Personal mit großen Mengen von Informationen versorgen. Aber so viel können die meisten Menschen gar nicht auf einmal aufnehmen und verarbeiten. Hier geht es auch um den menschlichen Faktor und nicht ausschließlich um technische Möglichkeiten.“ 

Kein Verhaltensexperte
Experten für das Zusammenwirken von Mensch und Technik hat Forsmark mit seinen drei Reaktoren nicht. Bei anderen Kernkraftwerken – zum Beispiel in Oskarshamn – arbeiten Verhaltensforscher für den reibungslosen Umgang des Menschen mit der Technik.

Forsmarks Geschäftsführer Jan Edberg verzichtet auf einen solchen Experten. Er findet eine enge Zusammenarbeit mit technischen Spezialisten sinnvoller „Forsmark hat sich stattdessen für eine Hochschulzusammenarbeit entschieden. Meiner Ansicht nach ist das besser, weil wir dadurch immer über die allerneuesten technischen Forschungsergebnisse informiert sind“, erklärt der Geschäftsführer von Forsmark.

Yvonne Liljeholm Johansson von der Aufsichtsbehörde SKI kann da nur den Kopf schütteln und Inkompetenz bescheinigen: „Hier muss man schon fast sagen, dass bei Forsmark die entsprechende Sachkenntnis fehlt um überhaupt zu begreifen, dass man keine ausreichende Sachkenntnis im eigenen Unternehmen hat.“

Unzureichende Abhilfe
Am 25. Juli 2006 war es in Forsmark durch Schlamperei zum bisher ernstesten Zwischenfall in einem schwedischen Atomkraftwerk gekommen. Unsachgemäße Wartungsarbeiten außerhalb des Reaktorgeländes hatten einen Kurzschluss und daraufhin die Selbstabschaltung des AKW bewirkt. Die Kette der sicherheitstechnischen Systeme versagte. Zwei von vier Notstromaggregaten sprangen nicht an und eine Katastrophe war bedrohlich nahe. Die Aufsichtsbehörde verlangte Abhilfe durch Umbauten, Weiterbildung und Dokumentation des Personals.

Doch auch nach dem Umbau sind die Probleme offenbar nicht zufrieden stellend gelöst. SKI fordert weitere Maßnahmen in Forsmark. Unter anderem: bessere Umsetzung des Zusammenspiels Mensch und Technik, ausführliche Erfahrungsberichte über Umbauten, sowie deutlichere Definitionen von Kompetenzen und Befugnissen des Personals. 

Sybille Neveling

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