"Einstiegsjobs" für Neueinwanderer

Einwanderern soll der Zugang zum schwedischen Arbeitsmarkt deutlich erleichtert werden. Dazu will die Regierung zum 01. Juli so genannte „Einstiegsjobs“ einführen, auf die jeder Neuankömmling praktisch vom ersten Tag an Anspruch hat. Hintergrund ist die weiter steigende Zahl der Flüchtlinge, vor allem aus dem Irak. Kritiker befürchten allerdings, dass die „Einstiegsjobs“ Arbeit suchende Ausländer in zwei Klassen teilen werden.

Schwedens Arbeitsmarkt boomt derzeit. Die Zahl der Erwerbssuchenden liegt auf dem niedrigsten Stand seit 16 Jahren. Doch vom Konjunkturhoch profitieren Einwanderer aus nichtnordischen Ländern in weitaus geringerem Maße als ethnische Schweden. Grund dafür ist einerseits der ungebremst steigende Zuzug von Flüchtlingen, andererseits die bürokratischen Hürden für ausländische Arbeitnehmer, erklärt Arbeitsmarktminister Sven-Otto Littorin.

Deswegen habe die bürgerliche Regierung die so genannten „Einstiegsjobs“ ins Leben gerufen: „Wir wollen vermeiden, dass Einwanderer und ihre Angehörigen ohne Beschäftigung bleiben. Die beste Integration dieser Menschen ist doch, ihnen so schnell wie möglich einen Zugang zum Arbeitsmarkt zu verschaffen. Das gilt nicht zuletzt für die vielen Iraker, die hierher kommen.“

Job per Gesetz 

Schon zum 01. Juli soll jeder Neuankömmling einen Anspruch auf eine Beschäftigung sowie einen kostenlosen Sprachkurs haben. Potenzielle Arbeitgeber will die Regierung mit einem mindestens zur Hälfte staatlich subventionierten Lohn dazu bewegen, Ausländer anzustellen. Das tut auch Not, denn laut offiziellen Schätzungen wird Schweden allein in diesem Jahr 9.000 Flüchtlinge aufnehmen. Bei vielen handelt es sich um Personen, deren Angehörige hier bereits ein neues Zuhause gefunden haben. Solange sich diese Menschen aber nicht selbst versorgen können, wird die Aufnahme weiterer Flüchtlinge für die Sozialbehörden vieler Kommunen zum finanziellen Kraftakt. Hier soll das Programm der „Einstiegsjobs“ ansetzen.

Skeptische Stimmen bemängeln jedoch, dass dieses Programm das Grundproblem nur verlagere. Während man Neuzuwanderern gewissermaßen per Gesetz einen Arbeitsplatz zuspreche, hätten andere Zuwanderergruppen auf dem Arbeitsmarkt einmal mehr das Nachsehen, argumentiert etwa der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Luciano Astudillo: „Wenn man diese ‚Einstiegsjobs’ so kräftig subventioniert, benachteiligt man wiederum diejenigen Einwanderer, die schon viel länger vergebens einen Job suchen.“

Unklar, woher die Jobs kommen sollen 

Zudem sei nicht klar, woher die „Einstiegsjobs“ überhaupt kommen sollten. Schon jetzt gebe es viel zu viele Langzeitarbeitslose, kritisiert Astudillo. Derlei bedenken teilt Arbeitsmarktminister Sven-Otto Littorin jedoch nicht. Angesichts anderer bereits laufender Arbeitsmarktprogramme – auch speziell für Arbeitslose mit Migrationshintergrund – werde sich das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit für viele wie von selbst erledigen, meint Littorin.

Alexander Schmidt-Hirschfelder