Debatte um frühere Einschulung

Kurz vor der Sommerpause tritt die bürgerliche Koalition eine schulpolitische Debatte los. Konservative, Liberale, und Zentrumspartei sind sich darin einig, das Schuleintrittsalter auf sechs Jahre zu senken. Der kleinste Koalitionspartner, die Christdemokraten, will dagegen an der bisherigen Regelung festhalten. Auch die linke Opposition hält nichts von einer früheren Einschulung.

„Mit der Schule beginnen schwedische Kinder später als alle anderen auf der Welt“, stellte Schulminister Jan Björklund von der Liberalen Volkspartei kürzlich lakonisch fest. Einen früheren Schulstart hatte die Partei bereits in ihrem vorigen Wahlprogramm gefordert, nun ziehen zwei weitere bürgerliche Parteien nach – die Konservativen und das Zentrum. Sofia Larsen sitzt für die Zentrumspartei im Verfassungsausschuss des Reichstags: „Ich hoffe, dass auch die Sozialdemokraten irgendwann ihre Schulpolitik ändern werden. Man muss so früh wie möglich feststellen, ob ein Kind besondere Förderung benötigt. Dazu kann ein früherer Schulstart beitragen.“

Geht es nach Konservativen, Liberalen und Zentrumspartei, dann wird Schweden 2009, also ein Jahr vor der nächsten planmäßigen Reichstagswahl, ein neues Schulgesetz bekommen. In ihm soll unter anderem ein früheres Einschulungsalter festgeschrieben werden. Doch dazu bedarf es der Mehrheit im Parlament – die hat die bürgerliche Koalition zwar rechnerisch, rein praktisch aber versagt ausgerechnet der kleinste Regierungspartner, die Christdemokraten, bislang die Gefolgschaft in der Schulfrage. Nach Auffassung der Christdemokraten entspricht der jetzige Einschulungsmodus mehr den unterschiedlichen Entwicklungsstufen von Kindern.

”Alle Kinder sind unterschiedlich.”

Nahezu wortgenau argumentiert auch die linke Opposition. Marie Granlund vertritt die Sozialdemokraten im Bildungsausschuss des Reichstags: „Schon heute können Eltern entscheiden, ob ihr Kind mit sechs oder mit sieben Unterricht erhält. Das ist eine gute Lösung; schließlich sind alle Kinder unterschiedlich.“

Zurzeit besuchen 97 Prozent aller Sechsjährigen die Vorschule – eine Entscheidung, die die Eltern freiwillig treffen. Doch dieses Mittelding zwischen Kindergarten und Schule reicht nach Ansicht vieler Experten nicht mehr aus, um Schwedens oft gescholtenes Schulsystem zu verbessern. Alles hängt nun an den Christdemokraten, die im Parlament zum Zünglein an der Waage werden. Jedoch auch für die kleine Partei selbst wird die Frage des früheren Schulstarts zum Balanceakt – zwischen Koalitionstreue auf der einen und der eigenen Bildungspolitik auf der anderen Seite.

Alexander Schmidt-Hirschfelder