Wirtschaftsfaktor Öresundbrücke

Der Bau der Fehmarnbelt-Brücke weckt gemischte Gefühle. Bei Wirtschaftsexperten löst das Projekt Jubel aus, von Umweltschützern und der Lokalbevölkerung wird es kritisch gesehen. Ähnlich erging es den Planern der Öresundbrücke zwischen Kopenhagen und Malmö vor mehr als zehn Jahren.

Wie jedes große Menschenwerk war auch der Bau der Öresundbrücke vor sieben Jahren nicht ganz unumstritten. Die Fährgesellschaften sorgten sich um ihre Einkünfte, Umweltschützer liefen aus Sorge um die ohnehin schon an vielen Orten durch Umweltgifte belastete Ostsee auf beiden Seiten der Meerenge Sturm gegen das Vorhaben, einen Minister kostete das Projekt seinen Posten.

Sieben Jahre nach der Eröffnung haben sich viele der damals so erhitzten Debatten abgekühlt, sagt der Meeresbiologe Hans Orth: „Es gibt eine starke Strömung hier. Seegraswälder gedeihen auf dem Meeresgrund und eine Menge Miesmuscheln. Wir haben ein artenreiches Vogelleben. Die größte Sorge war, dass die umfangreichen Grabungen die Strömung verändern und der Öresund somit versanden könnte. Auch auf die Brutplätze der Vögel mussten wir Rücksicht nehmen. Und wir sorgten uns um eine Kolonie von Seehunden, die im Frühjahr von Rügen herüberwandert.”

Züge aus Malmö und Kopenhagen brausen vorbei
Hans Orth ist das grüne Gewissen der Brücken-Investoren, ein schmaler drahtiger Däne um die 50, der schon als Kind im Garten herumschlich und mit der Lupe auf Spinnenjagd ging. Inzwischen beobachtet er für die Öresundbetreiber die Ökologie rund um die Brücke, zum Beispiel auf der künstlichen Insel Pepparholmen: ”Besonders liebreizend ist die Insel nicht. Hier kommt der Tunnel ans Tageslicht und die Brücke beginnt. Alle paar Minuten brausen die Schnellzüge aus Malmö und Kopenhagen vorbei. Trotzdem wird das künstliche Eiland von einigen Tieren und Pflanzen bevölkert. Um die Lebenswelt der Tiere unter Wasser so wenig wie möglich zu stören, gaben die Brückenbauer viel Geld für Computer-Simulationen aus. Ziel war es, die schonendsten Bautechniken zu entwickeln, zudem wurde ein Umweltverantwortlicher engagiert - Auflagen, die als Vorbild für den Bau der Fehmarnbelt-Querung dienen könnten.

Bei schwedischen Umweltorganisationen gibt es derzeit noch keine Reaktionen auf den möglichen Brückenbau. Dafür zeigen sich Wirtschaftsvertreter umso erfreuter. Schon heute gingen 70 Prozent des schwedischen Außenhandels über Südschweden. Die Fehmarnbelt-Querung verkürze die Bahnverbindung nach Deutschland um 160 km, hat etwa das schwedische Wirtschaftsministerium ausgerechnet. Prognosen zeigten zudem, dass mindestens jedes zweite Fahrzeug über die deutsch-dänische Brücke aus oder nach Schweden unterwegs sein könnte. Gern verweisen die Wirtschaftsstrategen in diesem Zusammenhang auf die positiven Effekte, die der Bau der Öresundbrücke für die Region hat.

Brücke gab Zukunftsglauben zurück
Lars Carlsson, der als Fährkapitän auf der Strecke Helsingborg Helsingör am nördlichen Ende des Öresund tätig ist, kann das nur bestätigen: „Ich mag die Öresundbrücke. Sie hat uns Zukunftsglauben gegeben hier in Südschweden. Auch, wenn es eine Konkurrenz zur Fähre ist, so hat sich das Verkehrsaufkommen sogar noch verstärkt, auch für uns. Auch wenn wir einen gewissen Teil unserer Passagiere verloren haben, so haben wir ein anderes Publikum dazubekommen.”

Wirklichkeit ist die Öresundregion noch nicht geworden, aber sie ist auf dem Weg dort hin, meint Lars Carlsson. Vielleicht ist es in ein paar Jahren so weit, wenn es ein gemeinsames dänisch-schwedisches Steuersystem für die Region gibt. Die Verlängerung der festen Querung bis nach Deutschland könnte sich dann auch für Schweden positiv auswirken, überlegt der Kapitän. Doch bis es so weit ist, dürfte es noch etwas dauern. Spätestens Ende Juni wollen Regierungsvertreter aus Dänemark und Deutschland über den Bau des 5,5 Milliarden teuren Bauprojektes entscheiden. Sollte die Fehmarnbelt-Querung Wirklichkeit werden, könnte man frühstens in acht Jahren von Deutschland aus über feste Brücken bis nach Südschweden fahren.

Agnes Bührig

29.6.2007

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