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Das Vasamuseum in Stockholm
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Bei Touristen beliebt: Stockholms Schären

Schwedische Tourismusbranche boomt

Die schwedische Tourismusbranche boomt und hat inzwischen sogar viele traditionelle Branchen wie die Autoindustrie überholt. Während also der Produktionssektor die Zahl seiner Angestellten immer weiter herunterfährt, arbeiten immer mehr Menschen im Tourismus. Rund 50.000 Arbeitsplätze sind hier in den vergangenen zehn Jahren entstanden. Mit Tourismus lässt sich also Geld verdienen - und weil viele zufriedene Touristen die beste Werbung sind, wird der Umsatz noch weiter steigen.

Eine Bootstour durch Stockholm oder in den Schärengarten ist für jeden Hauptstadttouristen ein Muss. Angebote gibt es reichlich, die Branche weiß die gute Lage Stockholms auf dem Wasser zu nutzen. Doch die Touristen stürzen sich nicht nur auf die großen Boote, sondern auch Kanufahrten werden immer beliebter. Direkt an der Brücke zur Museumsinsel Djurgården verleiht Niklas Gullback Kanus. Die Lage könnte nicht besser sein - wer vom Freilichtmuseum Skansen kommt oder vom Vasa-Museum, muss hier vorbei. Niklas Gullbacks Unternehmen wächst von Saison zu Saison: „Letztes Jahr war ich noch allein, dies Jahr sind wir schon zu zweit. Wenn die Sonne scheint, ist hier der Teufel los. Da kann man nicht den ganzen Tag herumsitzen und sich unterhalten. Die meisten Touristen kommen aus Südeuropa, Frankreich, Italien, Spanien. Aber auch aus den USA kommen immer mehr.

So zum Beispiel die Rucksacktouristin Kylah aus Georgia. Die Hauptattraktionen der Hauptstadt hat sie bereits abgehakt: „Ich wollte Stockholm sehen, schließlich ist die Stadt berühmt. Ich war im Vasa-Museum, habe eine Bootstour gemacht und bin kreuz und quer durch die Stadt gelaufen. Sehr nett alles! Ich hatte gehört, dass Schweden ein schönes Land ist und meine Erwartungen sind absolut nicht enttäuscht worden.”

Woher auch immer sie kommen, Touristen sind gut für die Stadt. Früher lebte das Land von der Produktion: Autos, Stahl, Erz, Holz waren die klassischen Einnahmequellen. In jüngerer Zeit sorgten Hitech-Unternehmen wie der Telekomausrüster Ericsson für Gewinne. Doch das war früher, glaubt man Dennis Bederof vom staatlichen Amt für Wirtschaftspolitik NUTEK: „Ich denke, wir haben in Schweden viel Zeit darauf verwandt, herauszufinden, wohin die postindustrielle Gesellschaft steuert. Die Touristikbranche ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Dienstleistung immer mehr Raum einnimmt. Ein Kennzeichen der Branche ist ihre Personalstärke. In dem Grad, wie die Branche wächst, nimmt auch die Zahl der Beschäftigten zu.”

Tourismus schafft Tausende Arbeitsplätze
Allein vergangenes Jahr entstanden im Tourismus 16.500 Jobs. Nicht zuletzt wegen der Billigfluglinien strömen die Touristen vor allem in die Hauptstadt, und sie alle wollen gut essen und etwas erleben und natürlich brauchen sie eine passable Unterkunft. In Stockholm herrscht notorischer Hotelmangel, dazu sind umgerechnet 100 Euro für ein Einzelzimmer noch günstig. Viele Touristen zieht es deshalb in Jugendherbergen. Die Jugendherbergskette City Backpackers hat inzwischen 120 Betten, meistens sind sie belegt, erzählt Chef Joakim Melchert: „Es macht sich sofort bemerkbar, wenn es eine Billigflugverbindung gibt. Aus Deutschland, Italien, Spanien und England kommen große Touristengruppen. Die Billigflieger sind sehr wichtig für uns, denn unser Durchschnittsgast ist etwas jünger und preisbewusster. Und Budgetreisende wollen nun mal günstig reisen und wohnen.”

Ganz vorn im Preiskampf um die Flugtouristen liegt natürlich Ryanair. Allein dieses Jahr wird die Airline 840.000 ausländische Reisende nach Schweden befördern. Ryanairs Nordenchef Wilhelm Hamilton hat allen Grund zur Zufriedenheit: „Der Citybreak-Tourismus sorgt für den größten Zuwachs in der Branche. Drei, vier Tage in einer Großstadt verbringen, billig fliegen, in einem guten Hotel wohnen und gut essen, eben Spaß haben. Schon heute sind 45 Prozent unserer Fluggäste ausländische Touristen, die in Schweden Urlaub machen wollen.”

Aber auch die schwedische Natur übt nach wie vor eine Faszination auf die Reisenden aus. „Ich finde den Wald so wunderschön”, begeistert sich der Australier Adam. „Und dass es um Mitternacht noch hell ist, habe ich so noch nie vorher erlebt.” Fehlt nur noch eine Begegnung mit dem Elch, um den Urlaub abzurunden. Wer weiß, was sich die Billigfluglinien gemeinsam mit Hotelbesitzern und anderen Branchenkollegen noch einfallen lassen. Der Tourismus als expansivste Branche hat schließlich einen Ruf zu verlieren.

Liv Heidbüchel

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