Höheres Krankengeld führt zu längerer Krankschreibung

Ob ein Arbeitnehmer eine Krankschreibung erhält und wie lange er dann der Arbeit fern bleiben darf, um wieder gesund zu werden, das hängt nicht nur von dem Gesundheitszustand des Betroffenen ab. Im Wohlfahrtsstaat Schweden spielt auch die Frage eine Rolle, wie viel Sozialleistungen bei Krankschreibungen fällig werden. Das hat jetzt eine neue Studie herausgefunden.

Wer krank wird, soll nicht weniger Geld im Portemonnaie haben als sein Kollege, der gesund ist. Das ist klassisch sozialdemokratische Politik, die 1999 zu einem neuen Segment in der Sozialversicherung führte: der komplimentierenden Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Sie gab Arbeitgebern die Möglichkeit, neben den üblichen 80 Prozent Lohnfortzahlungen durch die Krankenkasse als Arbeitgeber weitere 10 Prozent drauf zu legen. Für die Länge der Krankschreibungen hatte das einen deutlichen Effekt, sagt Patrik Hesselius vom Institut für arbeitsmarktpolitische Studien an der Universität Uppsala:

„Die Krankenzeiten wurden im Schnitt fünf Tage länger. Das Angebot ist großzügiger, wenn du die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall von 80 Prozent auf 90 Prozent heraufsetzt. Früher hast du 20 Prozent deines Lohnes dafür bezahlt, jetzt waren es nur noch 10 Prozent, das Kranksein ist nur noch halb so teuer gewesen – und das spielt natürlich eine Rolle für die Länge der Abwesenheit wegen Krankheit.“

Hesselius und seine Kollegen nahmen die Fälle von länger krank geschriebenen Mitarbeitern unter die Lupe, die der Arbeit zwischen drei Monate und einem Jahr fern blieben und die bei den Kommunalverwaltungen und Provinziallandtagen angestellt waren. Die fünf Tage, die sie im Vergleich zu früheren Jahren im Schnitt länger krank geschrieben waren, kosteten die Volkswirtschaft etwa 100 Millionen Kronen extra, umgerechnet etwa 11 Millionen Euro. Nach Ansicht von Sozialversicherungsministerin Cristina Husmark Pehrsson könnten die Kosten jedoch weit höher liegen:

„Das ist vermutlich untertrieben, denn es wurde nur ein Ausschnitt aus der Gesellschaft betrachtet, jene Menschen, die beim Staat angestellt sind und länger krank geschrieben waren. Meiner Meinung nach könnte es sich um Kosten handeln, die bei umgerechnet 110 Millionen Euro liegen, vielleicht auch mehr.“

Wenn großzügige Lohnersatzleistungen zu längeren Krankschreibungen führen, müsse man das System vermutlich überdenken, überlegt die Ministerin. Wann das sein wird, kann sie jedoch nicht sagen. Klar sei nur, dass Menschen nicht länger krank geschrieben sein sollten als sie es nötig haben.

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