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Astrid Lindgren und ihre Welt

Publicerat fredag 6 juli 2007 kl 12.25
Astrid Lindgren

Astrid Lindgren hat unser Bild von Schweden geprägt: rote Holzhäuschen mit weißen Giebeln, umgeben von weiten Wiesen und dunklem Wald, in denen sich die Geschichten von Michel aus Lönneberga und den Kindern aus Bullerbü abspielen - sie vermitteln Ruhe und Idylle. Die Inspiration erhielt Astrid Lindgren durch ihre Jugend in Småland in Südschweden. 1907 wurde sie als Tochter eines Bauern auf dem Pfarrhof Näs bei Vimmerby geboren. An ihrer Geburtstätte wird in diesem Jahr besonders an die große Kinderbuchautorin erinnert.

Knapp vier Stunden dauert die Fahrt mit dem Auto von Stockholm nach Vimmerby, im Herzen von Småland. Hier liegt Astrid Lindgrens Geburtshaus, das aussieht wie eines der Häuser aus Bullerbü: Rot mit weißen Kanten, umgeben von Blumen und Büschen, auf der einen Seite eine weiße Veranda. Museumspädagogin Linda Jönsson holt einen umfangreichen Schlüsselbund aus der Tasche und schließt das alte Holzhaus am nördlichen Rand von Vimmerby auf, dann öffnet die blonde schlanke Schwedin mit der randlosen Brille die Tür zur Küche: „Hier haben wir alles, was sie damals zum Brotbacken benutzt haben, einen Schaber, mit dem Asche und Glut aus dem Ofen gekratzt wurde und einen Brotschieber, auf dem die Brote in den Ofen kamen. Gebacken wurde einmal im Monat, etwa 14 Laibe. Am Abend vorher haben sie den Ofen mit Holz angeheizt, damit auch das Mauerwerk warm wurde. Dann wurden Asche und Glut heraus genommen, sauber gemacht und die Brote hinein geschoben.“

 


Am 14. November 1907 wird Astrid Lindgren als zweites Kind von Samuel August und Hanna Ericsson auf Näs geboren. Zwei Jahre zuvor haben die Eltern die Bewirtschaftung des Pfarrhofes übernommen, führen die Aufsicht über zwei Mägde, vier Knechte und ungezählte Hühner, Schweine und Kühe. Ihren vier Kindern vermitteln sie Geborgenheit und Freiheit gleichermaßen, erinnert sich Astrid Lindgren in den 60er Jahren an ihre Kindheit: „Ich hatte das Glück, dass ich in einem sehr geborgenen Elternhaus aufwuchs. Ich hatte einen Großvater väterlicherseits, der wie der Großvater in Bullerbü oben unter dem Dach wohnte. Man ging hoch zu ihm und bekam Kandiszucker. Wir lebten mit einer ganzen Reihe Menschen zusammen. Da gab es Ida i Liljerum und Marie in Vendeladal, die Gitarre spielte und sang.

Das Leben auf Näs
Es kamen auch viele Landstreicher, die für uns Kinder das Unbekannte verkörperten, gleichzeitig waren sie spannend. Es gab sehr liebe Landstreicher genauso wie es die anderen gab.

Hanna und Samuel August geben ihren Kindern eine christliche Erziehung. In der guten Stube steht die Heimorgel, an der Astrid nur ungern übte. Sich auf den Kopf stellen, fünf Minuten warten und über Kopfschmerzen klagen war ihr Rezept, wenn sie nicht zum Orgelunterricht gehen wollte.

Lieber spielte sie mit ihren Geschwistern Fangen oder ”Boden nicht berühren”. Dabei schwangen sich die Ericssonkinder von der Kommode übers Bett auf die obere Türkante, genau so wie später Pippi Langstrumpf. Ein Vergnügen, das ihrem Naturell entsprach, erzählt Museumspädagogin Linda Jönsson: „Sie war sehr waghalsig. Astrid musste alles ausprobieren und manchmal passierten auch Unfälle. Als sie einmal einen Freund in Vimmerby besuchte, kamen sie auf die Idee, die Tragfähigkeit einer Rettungsleine aus dem Dachgeschoss über der Apotheke auszuprobieren. Das ging schief und Astrid fiel ein paar Meter tief. Ihr Vater kommentierte das Abenteuer mit den Worten: Gut, dass du vor einer Apotheke gelandet bist, da konntest du gleich ein Pflaster bekommen.“ 

Erste Veröffentlichung
Den Spaß am Geschichtenerzählen und die Fähigkeit, sich nicht allzu ernst zu nehmen hat sich Astrid Lindgren vermutlich von ihrem Vater abgeguckt. Mit 13 Jahren veröffentlicht sie erstmals einen Text. „Unser Hof” heißt der Aufsatz, der in der Lokalzeitung erscheint und in dem sie vom Leben auf Näs berichtet. Danach nennen sie ihre Freunde die Selma Lagerlöf von Vimmerby. Astrid Lindgren nimmt sich vor, nie wieder eine Zeile zu schreiben.

Dass es anders kam, davon zeugt das Wissenschaftszentrum im ehemaligen Pfarrhaus, wenige Meter von Lindgrens Geburtshaus entfernt. In der Ausstellung unten ist Vimmerby zu Lindgrens Zeiten zu sehen. Per Knopfdruck am Modell leuchtet eines der gut ein Dutzend Häuser auf, die damals um ihr Geburtshaus herumstanden. Auch ihr geliebter Kletterbaum ist  zu sehen, den sie und ihre Geschwister Eulenbaum nannten, weil im hohlen Stamm Eulen wohnten. Bruder Gunnar machte sich einen Spaß daraus, die Euleneier gegen Hühnereier auszutauschen.

Als Astrid über Pippi Langstrumpf schrieb, war es genau dieser Baum, der das Vorbild für den Limonadenbaum abgab. In Pippis Baum wuchs Limonade und der Stamm war hohl, so dass Pippi mit ihren Freunden Tommy und Annika hineinkriechen konnte.

Soziales Engagement
Im Obergeschoss wird Astrid Lindgrens Nachlass wissenschaftlich verwaltet. Schließlich hat die Schwedin nicht nur Kinderbücher geschrieben sondern sich auch gesellschaftlich engagiert. In den 70er Jahren machte sie mit ihrem Steuermärchen „Pomperipossa in Monismanien” humorvoll darauf aufmerksam, dass sie mehr als 100 Prozent Steuern zahlen sollte, die Abwahl der Regierung war die Folge. Später setzte sie sich für bessere Lebensbedingungen von Käfighühnern und Milchkühen ein. 1978 wurde sie mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels geehrt und hielt eine flammende Rede für die gewaltfreie Erziehung von Kindern.

Ihre Kinderbücher, die überall auf der Welt erscheinen, werden im Wissenschaftszentrum in Vimmerby gesammelt, egal ob es auf Kurdisch oder Chinesisch übersetzt worden sind. Auch ganz ausgefallene Ausgaben sind darunter, sagt Institutsleiter Kjell-Åke Hansson: „Hier gibt es eine ganze Reihe von Büchern, die spannend sind. Zwei Exemplare liegen mir besonders am Herzen. Das eine ist Silvervit, eine Märchensammlung von Anna Wahlenberg und das vermutlich erste Buch, das Astrid gelesen hat. Das andere ist eine Erstausgabe von Pippi Langstrumpf. Die sind inzwischen recht selten geworden.” 

Lindgren-Park
Recht häufig hingegen ist die Kopie von Pippi Langstrumpf. Diese hier ist in Astrid Lindgrens Welt anzutreffen, dem großen Freilichtpark in Vimmerby für die ganze Familie. Hier können sie die Figuren der großen Kinderbuchautorin in Aktion erleben. Pippi Langstrumpf steht da breitbeinig vor ihrer gelben Villa Kunterbunt und stampft mit dem Fuß auf. Gerade hat sie erfahren, dass ihre Freunde Tommy und Annika Sommer- und Weihnachtsferien haben. „Und was habe ich”, tobt Pippi und ihre roten Zöpfe wippen auf und nieder. Ihr Vater, Kapitän Ephraim Langstrumpf, der gerade zu Besuch ist, versucht, sie zu beruhigen. „Um Ferien zu bekommen, kleine Pippi, musst Du in die Schule gehen” - antwortet er streng. Doch Pippi selbst hat andere Pläne: „Ich werde meinen Vater auf die sieben Meere begleiten. Dann habe ich noch eine Mama, die guckt durch ein kleines Loch aus dem Himmel herunter. Und manchmal ist sie etwas kritisch, wenn ich mit den Füssen auf dem Kopfkissen schlafe, weil es unter der Decke so schön dunkel ist.“

Nicht nur die Villa Kunterbunt steht in Astrid Lindgrens Welt. Auch den Hof von Michel aus Lönneberga, der auf Schwedisch Emil heißt, können die Kinder betreten. Mit ihm begann alles, vor mehr als 25 Jahren, erzählt Nils-Magnus Angantyr von der Verwaltung des Parks: „1981 kamen drei Familien aus Vimmerby auf die Idee, Spielstuben für ihre Kinder zu bauen. Sie begannen mit einer Holzhütte wie sie Emil aus Lönneberga bewohnt, etwas kleiner als im richtigen Leben. Nach und nach kamen eine Ausstellung und ein Märchendorf dazu. Später stellte die Gemeinde Land zur Verfügung, das früher von Astrids Vater bewirtschaftet wurde.“

Inzwischen ist der Park auf 120.000 Quadratmeter angewachsen und hat Platz für Bullerbü, Birkenlund und die Mattisburg aus dem Roman Ronja Räubertochter. Neu ist anlässlich des 100. Geburtstages von Astrid in diesem Jahr die nachgebaute Umgebung von „Ferien auf Saltkrokan”. Daneben gibt es Kirmesbuden, einen Jonglierpfad und ein Stadtviertel im Kleinformat. Eleonore Metters, die mit ihren beiden Enkeln hergekommen ist, gefällt der Freilichtpark: „Ich fand dieses Natürliche, diese alte Welt, die bäuerliche Welt, die da aufkam, das fand ich so schön, dass das alles in die Landschaft hineingesetzt war und man sich darin ergehen konnte. Wenn ich an diese Riesenrummel denke oder mir vorstelle, wie es in Disney-World ist: Es ist heute für die Kinder alles so reißerisch. Das war hier nicht, das war wirkliche Begeisterung der Kinder und ein wirklicher Abenteuertrip für diese ganz spezielle Welt.“

Lieder und Gedichte
Astrid Lindgren hat nicht nur Kinderbücher geschrieben, sie hat auch viele Liedertexte verfasst. Singen gehörte zu ihrer Kindheit. Radio und Kassettenrekorder waren noch nicht erfunden und so wurde überall gesungen, beim Arbeiten, in der Küche, auf dem Hof.

Idas Sommerlied etwa, ertönt jedes Jahr, wenn die Kinder Mitte Juni in die großen Ferien entlassen werden. Geschrieben hat es Georg Riedel, der auch die Lieder zu den Pippilangstrumpf-Filmen komponiert hat. „Ich glaube, es war 1970 oder 71. Ich habe erst die Melodie geschrieben und dann hat Astrid den Text gemacht. Ich hatte erst eine andere Melodie geschrieben und ein Freund von mir, der eigentlich nicht sehr viel von Musik versteht, hat gesagt: So eine Musik kannst du nicht präsentieren, die ist zu banal. Und da war ich sehr bös, aber hab nachgedacht und eine neue geschrieben - das war ein großes Glück.“

Pippi-Langstrumpf-Ballett
Georg Riedel komponierte Anfang der 70er Jahre die Filmmusik für die Pippi-Langstrumpf-Filme. Den Auftrag hatte der gebürtige Tscheche von seinem Jazzkollegen Jan Johansson geerbt, der bei einem Autounfall 1968 ums Leben gekommen war. Damit war die Verbindung zu Astrid Lindgren geschaffen, deren Figuren Michel oder Karlsson auf dem Dach Riedel ebenfalls vertonte. Höhepunkt der Zusammenarbeit war das erste Pippi-Langstrumpf-Ballett, das vor zwei Jahren Premiere hatte und an dessen Musik Riedel mitschrieb.

Wer Pippi Langstrumpf in der Königlichen Oper in Stockholm auf Rollschuhen über die Bühne fegen oder Saltos an unsichtbaren Seilen in der Luft schlagen sieht, der kann, wenn er einen Moment die Augen zukneift, die große Kinderbuchautorin selbst vor sich sehen, wie sie als Kind in Småland herumtollte. In den Augen ihrer heute 73-jährigen Tochter Karin Nyman war das eines der charakteristischen Eigenschaften von Astrid Lindgren: „Ich war immer gern mit ihr zusammen, das war immer so lustig. Es ging nicht darum, dass sie mich unterhielt oder mit mir spielte. Aber wenn wir zusammen waren, war sie mir immer sehr zugetan, zeigte eine Art Anteilnahme, vermutlich, weil sie selbst es nie langweilig hatte. Und das zeigte sie auch im Umgang mit Kindern. Da war sie sehr souverän, weil es ihr selbst so viel Spaß machte zu spielen.“

Agnes Bührig

Mehr zu den Feierlichkeiten von Astrid Lindgrens 100. Geburtstag finden Sie im Internet unter http://jubileum.vimmerby.se/

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