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Mücken dürfen den Grillspass nicht verderben

Eine kurze Geschichte: die Mücke


Kaum ein Insekt wird wohl von deutschen Touristen so gehasst wie die Mücke. Den Menschen in Nordschweden ist sie ein lästiges Übel, doch nur einen kurzen Sommer lang. Dann ist auch der Mückentalk weit verbreitet, der gleich nach dem Wettergespräch kommt. Und doch gibt es richtige Mückenliebhaber, in Gällivare haben sie sogar ein Mückenmuseum eingerichtet. Eine Hommage an die Plagegeister.

Eine gewöhnliche Grillparty in Nordschweden, an einem gewöhnlichen Sommer-Samstagabend. Sibylla Vonkavaara und Volger Svensson haben Enkel Jonathan und Tochter Maria zu Besuch. Es wäre urgemütlich draußen, wenn nicht die kleinen Biester unaufhörlich um die Köpfe schwirrten. Doch in Nordschweden wird aus einer Mücke kein Elefant gemacht, im Gegenteil: Mücken sind ein vorzüglicher Partyspaß. „Jonathan, komm mit dem Mückenschläger”, schlägt Sybilla vor. „ Opa hat genug Mücken auf dem Kopf. Pass auf, dass du ihn nicht unter Strom setzt.”


Schon kommt Jonathan mit dem Mückenschläger - einer Art elektrischer Fliegenklatsche - herbei geeilt - das Gerät ähnelt einem Tennisschläger, per Knopfdruck wird das Netz unter Strom gesetzt und die Mücken darauf sterben den Verbrennungstod.

Opa Volger hat hörbar Spaß am Zeitvertreib seines Enkels. Ein Knopfdruck - und schon wieder ist ein Stechinsekt beseitigt. Die Stechmücke Culicidae sorgt vielleicht im Rest Europas - auf dem Kontinent also - für Panikattacken, in Nordschweden gehört sie nun mal zum Sommer dazu wie die hellen Nächte und die weiten Sümpfe. Und nicht nur der Mückenschläger taugt zum Mückenvertreiben, die Partygesellschaft hat im Verlaufe des Grillabends so ihre eigenen Tricks und Kniffe entwickelt: „Nikotin und Alkohol, das haben wir bereits festgestellt”, sagt Maria. „Ja, wenn man Wein getrunken hat, werden die Mücken auch etwas angeschäkert und finden kein frisches Blut mehr,” erklärt Sybilla und Maria ergänzt: „Und dann hilft joggen, da schaffen es die Mücken nicht, sich zu setzen. Und dann sollte man sich mit Menschen umgeben, die gutes Blut haben, dann kommen die Mücken zu denen.” 

Mückenmittel
Mit welchen anderen Mitteln die Menschen durch die Jahrhunderte versuchten, sich die Mücken vom Leib zu halten, ist im Mückenmuseum in Gällivare zu sehen. Zum Beispiel der Moskito Magnet, eine Erfindung der Neuzeit. Eine Art Ofen, der Gas zu Kohlendioxid umwandelt und einen menschenähnlichen Duft ausströmt. Die Mücken werden also angelockt und dann vergast. Oder die etwas altertümliche DDT-Spritze, oder die Insektenbombe Fly Fox. Es gibt aber auch durchaus schonendere und natürliche Mittel, die Mücken nur fernhalten und nicht töten. Dazu werden Pilze angezündet, die an Bäumen wachsen. Der Echte Zunderschwamm beispielsweise schreckt mit seinem Rauch die Mücken ab.

Die kleine Ausstellung zeigt auch, was man zum Schutz vor Mücken so alles auf die Haut schmiert, und auch da gibt es natürliche Mittel. Die Blätter von Schafgarbe und Sumpfporst sollen ebenso helfen wie chemische Mittel.

Die nordschwedischen Mücken übrigens übertragen keine Krankheiten, und nicht alle haben den Drang, Blut zu saugen, wie Lars Israelsson vom Mückenmuseum zu berichten weiß. „Es ist ja nur das Weibchen, das Blut braucht zum Eierlegen, um die Art zu erhalten. Das Männchen ernährt sich von Pflanzensäften und ist nicht gefährlich. Und was das Liebesleben der Mücke angeht, da gibt es auch interessante Sachen zu erzählen: Es ist nämlich so, dass das Weibchen das Männchen nur einmal trifft. Sie speichert das Sperma in einem extra Behälter, und das reicht den ganzen Sommer.”

Mückenmuseum
Das Mückenmuseum ist vor acht Jahren von Freunden des Stechtieres eingerichtet worden, und zwar eigentlich dort, wo es Mücken gibt: in den Sjaunja-Sümpfen, dem größten Sumpfgebiet Schwedens und dem mückenreichsten. 3.518 Stück pro Quadratmeter, das haben zwei Mückenforscher ausgerechnet. Und mit der Inlandsbahn war es gut zu erreichen. „Wir fanden, die Mücken sollten von den Touristen frisches Blut bekommen, und nicht nur das von den Einheimischen“, erinnert sich Lars Israelsson. „So konnten die Touristen mit dem Zug hinfahren und wenig Blut lassen.”

Doch es passierte etwas fast Unvorstellbares: Es gab keine Mücken im Sumpf. Verflixte sieben Jahre lang. Das Museum hatte seine Attraktion verloren und zog um in das Heimatmuseum der Stadt Gällivare. Ironie der Geschichte: Dieser Sommer verspricht, ein super Mückensommer zu werden. Wer dennoch die Mücken füttern will, kann ja in den Sumpf fahren. Wer nicht, wartet bis zum Herbst. Denn das Leben der Mücke dauert nur einen Sommer lang. 

Katja Güth

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