Seehundstaupe hat Schweden erreicht

Die Seehundstaupe hat die schwedischen Gewässer erreicht. Am Montag wurde der erste tote Seehund im südschwedischen Halland gefunden. Alle Symptome weisen auf Staupe. Seit Ausbruch der Robbenpest auf der dänischen Insel Anholt sind schon hunderte Seehunde gestorben. Der Tod ist schrecklich, denn das Virus befällt die Atemwege der Tiere und führt zum langsamen Tod durch Ersticken. Doch die Krankheit sorgt auch deshalb für Beunruhigung, weil ihre Ursachen bisher noch völlig unbekannt sind. Dass sich die mysteriöse Krankheit über die Ostsee ausbreitet und auch den schwedischen Seehundbestand angreift, war nur eine Frage der Zeit.

Seit dem letzten Seehundsterben vor fünf Jahren haben sich die Bestände wieder erholt. Die Naturschutzbehörde schätzt den Bestand an der Westküste auf rund 15.000 Tiere, aber auch in der südlichen Ostsee bei Kalmar leben etwa 800 Seehunde. Sicher ist der gemeine Seehund die gewöhnlichste Robbenart der nördlichen Hemisphäre, in der Ostsee ist er aber eher eine Seltenheit. Deshalb ist der jüngste Ausbruch der Seehundstaupe auf Anholt überaus besorgniserregend, meint Meeresbiologe Tero Härkönen vom Naturhistorischen Museum in Stockholm.

„Bislang sind schon einhundert Tiere im Kattegatt gestorben, und es werden sicher noch einmal hundert, zweihundert Seehunde an der Krankheit zugrunde gehen. Aber wenn das Virus den Kattegatt verlässt, geht es natürlich um ganz andere Zahlen. Die Seehunde im Skagerrak sind nicht so immun und das bedeutet, dass vielleicht tausende Tiere verenden werden.“

10.000 erstickte Seehunde

Mit einem kleinen Kutter fährt Tero Härkönen regelmäßig zu den Liegeplätzen und sucht aufmerksam nach Anzeichen für die Staupe. Den am Montag gefundenen Seehund hat Härkönen schon angesehen. Kein Zweifel: Der Seehund muss an Staupe gestorben sein. Meeresbiologe Härkönen hat noch immer die Bilder der letzten Seehundpest vor Augen.

„Das war schon sehr seltsam, als plötzlich tausende tote Seehunde an Land trieben. Wir wussten ja gar nicht, woher das kam. Die Krankheit ist schrecklich. Es bildet sich Schleim in den Lungen, die Lungenkapazität schrumpft, bis der Seehund schließlich erstickt.“

Bei der Seehundstaupe 1988 und 2002 war die Hälfte des Seehundbestands im Skagerrak und Kattegatt gestorben. Das waren 10.000 Tiere. In ganz Europa fielen der Pest circa 20.000 Seehunde zum Opfer. Tero Härkönen befürchtet ein Seehundsterben ähnlichen Ausmaßes für dieses Jahr. Vor allem besorgt ihn, dass die Wissenschaft bei den Ursachen der Staupe bislang übers Spekulieren nicht hinausgekommen ist. Viele vermuten, dass Umweltgifte verantwortlich sind, eindeutige Beweise fehlen aber noch. Möglich ist auch, dass die Kegelrobbe das eigentliche Problem ist – dass sie das Virus zwar überträgt, selbst aber immun ist.

Hundebesitzer müssen aufpassen

Für den Menschen besteht dagegen keine Gefahr, gibt Meeresbiologe Härkönen Entwarnung. Trotzdem sollte man am Strand die Augen offen halten.

„Normalerweise sind die toten Tiere ungefährlich. Nicht gefährlicher als andere Kadaver jedenfalls. Lebende Tiere dagegen übertragen die Krankheit auch auf andere Tiere. Mit Hunden zum Beispiel sollte man vorsichtig sein.“

Und auch Tero Härkönen wird weiter Vorsicht walten lassen, wenn er zu den Liegeplätzen der Seehunde fährt und die Küstenstreifen absucht. Und obwohl der erste tote Seehund an der schwedischen Küste aufgetaucht ist, so hofft Härkönen doch, dass die Ausmaße der Staupe diesmal nicht so verheerend sind wie in der Vergangenheit.

Liv Heidbüchel

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