Nicht immer eine weiße Weste

Baubranche zahlt Schwarzgelder in mehrstelliger Millionenhöhe

Der heutige Richterspruch im Kartellbildungsprozess soll eine Warnung an alle in der Baubranche sein – das ist jedenfalls die Hoffnung des Kartellamts. Tatsächlich liegt in der Branche einiges im Argen, wie nun ein frisch veröffentlichter Bericht des Beirats zur Kriminalitätsverhütung nahe legt. Demnach fließen Schwarzgelder in mehrstelliger Millionenhöhe – bei Konkursunternehmen wie den etablierten Firmen.

40 Fälle hat der Beirat für Kriminalitätsverhütung in seinem jüngsten Teilbericht über Ungereimtheiten in der Baubranche unter die Lupe genommen. Weitere Interviews mit den Beteiligten bestätigen das düstere Bild: Schwarzarbeit ungeahnten Ausmaßes ist in der Branche gang und gäbe. Größtes Problem sind die so genannten Konkursunternehmen, erklärt Henrik Lamm Hellström vom Beirat für Kriminalitätsverhütung.

„Man gründet ein Unternehmen nur, um nach kurzer Zeit Konkurs anzumelden – wegen eines Haufens Steuerschulden. Man braucht nur einen so genannten Torwart, der rein formell für das Unternehmen verantwortlich ist. Diese Firmen hinterlassen am Ende keinerlei Buchführung, sämtliche Papiere sind zerstört.“

Undurchdringliches Dickicht

Konkursunternehmen sind grundsätzlich nicht älter als ein Jahr und arbeiten mit gefälschten Rechnungen. Rechnungen, die für die Steuerbehörde nur schwer zu entdecken sind. Denn sie laufen namentlich über den Torwart, der wirkliche Empfänger taucht jedoch nicht auf. Damit ist die Rechnung eine Art Blankoscheck für jede Firma, die den Betrag lieber schwarz auszahlen möchte.

Das Finanzamt und vor allem die Behörde für Wirtschaftsverbrechen stehen vor einem nahezu undurchdringlichen Dickicht von Geldschiebereien. Ohne zusätzliche Bemannung sei an ein Durchkommen kaum zu denken, meint Henrik Lamm Hellström vom Beirat für Kriminalitätsverhütung.

Die meisten Kunden wissen gar nicht, dass sie es mit einem Konkursunternehmen zu tun haben. Doch auch auf die etablierten Firmen ist durch die gefälschten Rechnungen kein Verlass. Überhaupt beschränkt sich der fleißige Gebrauch der gefälschten Rechnungen längst nicht nur auf die Baubranche oder die Wirtschaft, versichert Gutachter Lamm Hellström. Auch Gemeinde- und Stadtverwaltungen und andere öffentliche Einrichtungen sind vor Rechnungsbetrug nicht sicher.

Schwarzarbeit auch bei Schweden beliebt

Doch gerade in der Baubranche hält sich seit Jahren das Gerücht, besonders ausländische Arbeitnehmer würden liebend gern schwarzarbeiten und die Preise verderben. Mitnichten, sagt Gutachter Lamm Hellström.

„Ja, ständig geht es um die Polen, die kommen. Aber längst nicht nur die arbeiten schwarz. Unser Bericht zeigt, dass in den untersuchten 40 Fällen auch etliche einheimische Bauarbeiter eine tragende Rolle spielen, genauso wie Firmen, die hoch qualifizierte Arbeiten ausführen.“

Im Herbst wird der Beirat für Kriminalitätsverhütung seinen Schlussbericht mit noch mehr Fakten über die Skandale auf dem Bau veröffentlichen.

Liv Heidbüchel

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