Polizei stoppt Kinderschmuggel

In den vergangenen 3 Jahren sind etwa 120 chinesische Kinder aus Schweden verschwunden. Die Spuren von einigen führen nach Südeuropa, von den anderen fehlt weiterhin jede Spur. Vermutlich werden sie in Südeuropa zu Diebstahl und Prostitution gezwungen. Zuletzt waren im Mai und Juni in Sigtuna in der Nähe von Stockholm mindestens 22 chinesische Kinder verschwunden. Seit zwei Wochen geht die Polizei verstärkt gegen den Schmuggel vor – mit erstem Erfolg.

Mit dem Verschwinden von chinesischen Kindern soll nun Schluss sein. Mit verstärkten Kontrollen und in Zusammenarbeit mit chinesischen Behörden glaubt die Polizei der Situation Herr geworden zu sein. So wird versucht, die Kinder gar nicht mehr nach Schweden einreisen zu lassen. Fünf von ihnen wurden in Kooperation mit der chinesischen Fluggesellschaft Air China bereits in ihrer Heimat auf Flughäfen gestoppt, sagt Johan Ståhle von der schwedischen Grenzpolizei: „Man kontrolliert jetzt etwas besser. Und wenn Unregelmäßigkeiten festgestellt werden und Kinder auftauchen, dann lässt man diese jetzt nicht mehr an Bord. Das scheint zu funktionieren. Seit wir die Zusammenarbeit vor zwei Wochen begonnen haben, sind keine Kinder mehr in Schweden angekommen.“

Im Zeitraum von 2004 bis 2006 sind etwa 100 chinesische Kinder aus Schweden verschwunden. Zuvor hatten sie Asyl beantragt. Nachdem im vergangenen Jahr ein chinesisches Paar wegen Menschenhandels verurteilt wurde und ins Gefängnis musste, verschwanden vorübergehend keine Kinder mehr. Dann ging es im Mai und im Juni dieses Jahres wieder los. 22 Kinder aus China kamen in Schweden an, beantragten Asyl und verschwanden dann auf mysteriöse Weise.

Die schwedische Botschaft wird verstärkt eingebunden

Auch bei der schwedischen Botschaft in Peking geht man davon aus, dass die Kooperation mit Air China die neueste Schmuggelwelle gestoppt hat. Unter anderem sind Botschaftsmitarbeiter am Pekinger Flughafen vor Ort und betreuen die Abflüge nach Stockholm. Die Mitarbeiter dort sind der Meinung, dass nur längerfristige Maßnahmen Wirkung zeigen. Außerdem fordern sie mehr Engagement der chinesischen Behörden im Kampf gegen den Kinderschmuggel. Dieser Punkt soll auch beim heutigen Treffen zwischen Botschaftsmitarbeitern und dem chinesischen Sicherheitsministerium angesprochen werden soll, sagt Anna Siwertz von der schwedischen Botschaft: ”Man hofft, dass die chinesischen Behörden uns dabei unterstützen, die Organisationen, die im Hintergrund arbeiten, etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Was sind das für Organisationen, wer steckt dahinter und was gibt es für Möglichkeiten, bestimmte Muster zu erkennen? Wenn sich das Geschehene wiederholt, dann wird es ernst und dann sollte man auch verstärkt daran arbeiten Lösungen zu finden.“

Von den im Mai und Juni verschwundenen 22 chinesischen Kindern gibt es nur wenige Spuren. Die Polizei vermutet, dass sie nach Südeuropa gebracht wurden und dort zu Prostitution, Diebstahl und zum Betteln gezwungen werden. Bei den 100 Kindern, die zuvor verschwanden, hat die Polizei überhaupt keine Anhaltspunkte, wo sie abgeblieben sind und was mit ihnen geschehen sein könnte. Menschenrechtsorganisationen gehen aber davon aus, dass auch sie außerhalb Schwedens von Kriminellen missbraucht und zu Straftaten gezwungen werden. Auch die Netzwerke dahinter wurden bislang nicht aufgedeckt. Warum gerade Schweden so intensiv als Transitland für den Schmuggel von chinesischen Kindern benutzt wurde, bleibt unklar.

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