Ministerin will lernwillige Einwanderer belohnen

Es gibt eigentlich nur drei richtige Einwanderungsländer: die USA, Kanada und Australien. Alle anderen Staaten tun sich mit der globalen Migrationswelle schwer. In Schweden soll jetzt eine neue Initiative helfen, Integrationsprobleme zu überwinden.

Noch vor wenigen Jahrzehnten war Schweden kein Einwanderungsland. Die ersten italienischen Pizzabäcker, die sich im Norden niederließen, wurden ausgiebig bestaunt. Ähnlich wie in Deutschland folgten später Gastarbeiter aus Südeuropa und auch von jenseits des Mittelmeeres. Aber erst im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts setzte ein regelrechter Ansturm von Immigranten aus allen Erdteilen ein, der bis heute andauert. Mit diesem Phänomen kommen Schweden und seine Bürger nur allmählich zurecht.

Die schwedischen Politiker versuchen seit Jahren, den Neu-Ankömmlingen die Eingliederung in die Gesellschaft zu erleichtern. Das wird unter anderem dadurch erschwert, dass viele Einwanderer solchen Integrationsbemühungen kühl, wenn nicht sogar ablehnend gegenüberstehen. Sie ziehen es vor, unter sich zu bleiben und die früheren Lebensgewohnheiten auch im neuen Land beizubehalten. Das führt im Extremfall dazu, dass die neuen Bürger nicht einmal Grundzüge der schwedischen Sprache lernen. Die Regierung versucht, diesem Negativ-Trend mit Sprachkursen für Einwanderer zu begegnen – bisher mit mäßigem Erfolg.

Nun will Schwedens Ministerin für Integration und Gleichberechtigung den zögernden Einwanderern mit Bonuszahlungen für erfolgreiches Lernen Anreize für die Annäherung an die neue Heimat geben. Ministerin Nyamko Sabuni ist Anfang der achtziger Jahre selbst aus ihrem Geburtsland Burundi nach Schweden eingewandert. Sie kennt die Probleme aus eigener Anschauung, weiß aber auch, dass es auf die eigene Initiative ankommt, um die gebotenen Möglichkeiten zu nutzen – ihre eigene Karriere ist der beste Beweis dafür. Auf dem jährlichen Politikertreffen im sommerlichen Almedalen erläuterte Sabuni ihr Konzept:

„Ziel ist es, dass möglichst viele den schwedischen Sprachkurs in der vorgesehenen Zeit erfolgreich absolvieren. Zuviele Teilnehmer verbringen nämlich zuviel Zeit bei diesen Kursen. Die müssen dann abbrechen, weil neue Schüler eingeteilt werden. Deshalb verlassen zu viele die Kurse ohne Abschlusszeugnis. Wir wollen klarmachen, dass das Erlernen der Sprache wichtig ist.“

Sabunis Idee, mit Bonuszahlungen mehr Motivation zu schaffen, gefällt auch der Regierungsbeauftragten für die Eingliederung von Flüchtlingen. Monica Werenfels-Röttorp will auch Gemeinden, die Flüchtlinge aufnehmen und ausbilden, finanziell belohnen.  

Arjun Baksi, der Integrationsbeauftragte der schwedischen Kommunalverbände, steht diesen Erwägungen kritisch gegenüber. Baksi, selbst ein Einwanderersohn, befürchtet Nachteile für Immigranten, die keine oder nur eine geringe Schulbildung aufweisen:

„Da kann man sich fragen: Werden sich die Kommunen bei der Auswahl selektiv verhalten und nur solche Personen akzeptieren, die zu diesem Paket passen? Denn Anwärter mit geringem Bildungsstand sind beim Gedanken an die in Aussicht gestellten Zahlungen vielleicht nicht so attraktiv.“

Ministerin Sabuni meint, dass die Praxis zeigen muss, ob das Modell machbar ist:

„Wir führen die Reform ein und testen sie eine Weile. Dann werden wir sehen, ob es positive Veränderungen gibt. Sollte sich herausstellen, dass die gewünschte Wirkung ausbleibt, dann müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen.“

Die betroffenen Einwanderer täten jedenfalls gut daran, die Frage: Talar du svenska? Also: sprichst du schwedisch? möglichst bald positiv beantworten zu können.

Klaus Heilbronner

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