Schweden will Arbeitseinwanderung erleichtern

Für Nicht-Europäer soll es in Zukunft leichter werden, in Schweden zu arbeiten. Entsprechende Vorschläge präsentierte heute die Regierung in Stockholm. Der Grund für diese Massnahmen: auch Schweden kämpft mit der demographischen Entwicklung. Die Menschen werden immer älter und immer weniger Arbeitnehmer müssen immer mehr Ältere finanzieren. Über kurz oder lang führt das – so das Horrorszenario der Regierung – zu Arbeitskräftemangel und zum Zusammenbruch der Sozialsysteme. Daher setzt Stockholm jetzt auf gezielte Arbeitseinwanderung.

Als Integrationsminister Tobias Billström heute vor die Presse trat, präsentierte er keine Überraschungen. Die Pläne der schwedischen Regierung stützen sich weitestgehend auf eine staatliche Untersuchung aus dem vergangenen Jahr.

Es geht dabei um zwei Hauptziele: Einerseits sollen Arbeitgeber in Zukunft auch Arbeitskraft aus Ländern außerhalb der EU rekrutieren können. Andererseits soll es Arbeitnehmern aus nicht-europäischen Ländern ermöglicht werden, in Schweden Arbeit zu suchen. Integrationsminister Billström: ”Die größte Änderung ist wohl das so genannte Visum zur Arbeitssuche, das qualifizierten Suchenden die Möglichkeit gibt, für drei Monate hierher zu kommen, einen Arbeitgeber zu finden und zu arbeiten.“

Kritik von den Gewerkschaften

Auch der gesamte bürokratische Prozess für den Erhalt einer Arbeitserlaubnis soll in Zukunft vereinfacht werden und es soll leichter sein, eine einmal erhaltene Arbeitserlaubnis zu verlängern. All diese Maßnahmen sind  - auch über Parteigrenzen hinweg – relativ unumstritten.

Bei einem anderen Vorschlag jedoch gibt es massive Kritik. Geht es nach der Regierung, so werden die schwedischen Gewerkschaften nicht mehr – wie bisher – ein Vetorecht haben, wenn es um die Besetzung freier Stellen mit Nicht-EU-Bürgern geht. Wirtschaftsexperte Dan Andersson vom Dachverband der schwedischen Gewerkschaften LO: ”Das ist noch ein Schritt weg vom schwedischen Modell, in dem so etwas wie ein Gleichgewicht zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herrscht. Jetzt steigt die Macht der Arbeitgeber. Für sie wird es wesentlich leichter, Arbeiter zu rekrutieren, und für die Gewerkschaften wird es schwerer, die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten.”

Keine konkreten Zahlen

Integrationsminister Billström hält das Gerede vom Untergang des schwedischen Modells für maßlos übertrieben. Unterstützung bekommt er dabei von Arbeitgeberseite. Für den Arbeitgeberverband Svenskt Näringsliv sind die neuen Maßnahmen eine Möglichkeit, Arbeitskräftemangel, wie er zum Beispiel derzeit in der Baubranche herrscht, abzubauen.

Konkrete Zahlen darüber, wie viele Menschen überhaupt von den eventuellen Neuregelungen profitieren werden, wollte Tobias Billström heute nicht nennen. Er meinte lediglich, dass das Interesse an einer Einwanderung nach Schweden „sehr groß“ sein wird. Dem widerspricht allerdings Christer Lundh, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Göteborg: „Die Zahl der Arbeitsmigranten wird vermutlich nicht so groß sein, wie viele jetzt glauben, und das vor allem weil die Löhne hier in Schweden – verglichen mit denen in anderen Ländern – relativ niedrig sind.“

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