Kinder auf Ferienfreizeit: in vielen Kommunen eine Seltenheit

Immer mehr Anträge auf Zuschuss für Sommerurlaub

Raus aufs Land zum Ferienhaus, Schwimmen und Boot fahren auf dem grundstückseigenen See und Abenteuer im Wald: Das ist das Bild von schwedischen Sommerferien à la Astrid Lindgren. Doch längst nicht alle schwedischen Kinder können in den zehn Wochen langen Sommerferien überhaupt verreisen. Besonders Alleinerziehenden fehlt oft die Zeit und das Geld für einen Urlaub. Sie können bei Kinderhilfsorganisationen Zuschüsse für Sommeraktivitäten beantragen – und das tun auch immer mehr Eltern.

Fast die Hälfte aller allein erziehenden Eltern hat kein Geld für Urlaub mit ihren Kindern. Das ergab jüngst eine Untersuchung der Organisation „Maiblume“, die sich seit einhundert Jahren für wohltätige Zwecke einsetzt. Helena Ljungkvist aus Norrköping lebt allein mit ihren beiden Kindern. Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass viele Alleinerziehende dringend auf die Zuschüsse von gemeinnützigen Organisationen angewiesen sind.

„Wenn man sich überhaupt irgendetwas leisten möchte, muss man Zuschüsse beantragen. Ich habe das selber mal gemacht als ich Verwandte besuchen wollte, die weiter weg wohnen. Tatsächlich habe ich das Geld bekommen, und das war dann unser Urlaub.“

”Maiblumen”-Erlös für Kinder in Not

Laut einem Bericht der Kinderhilfsorganisation „Rädda Barnen“ leben 250.000 schwedische Kinder in Armut. Ein Rückfall in die Anfangszeiten der „Maiblume“ trotz des allgemeinen Wohlstands, meint die Generalsekretärin der Organisation Lena Holm. Die „Maiblume“ ist Schwedens älteste Kinderhilfsorganisation. Jeden Mai ziehen Kinder von Haustür zu Haustür und verkaufen für ein paar Kronen Blumennadeln zum Anstecken. Bei ihrer Gründung 1907 setzte sich die Organisation noch für Kinder und Jugendliche ein, die unter Tuberkulose litten.

Heute hat die Freiwilligenvereinigung 800 lokale Verbände. Sie alle arbeiten eng zusammen mit Schulen, Gesundheitspflege und Sozialdiensten. Bei der „Maiblume“ wächst die Zahl der Antragsteller ständig. Jedes Jahr gehen Zehntausende Briefe mit Bitten um Zuschüsse bei der Organisation ein, dieses Jahr waren es sogar 80.000. Generalsekretärin Lena Holm:

„Am meisten beantragen die Leute Zuschüsse für Essen und Kleidung. Erst auf Platz Zwei kommen Reisen und Sommerlager für Kinder. Aber die Sommerferien sind schon ein wichtiges Thema für die „Maiblume“.“

Hilfe durch Elternnetzwerke

Lena Holm glaubt, dass die gestiegene Zahl von Anträgen auf den sinkenden Einsatz vieler Kommunen zurückgeht. Immer weniger Kommunen richten Sommerlager und andere Aktivitäten für Kinder aus. Nicht nur die Freiweilligenorganisationen sind gefordert, auch die Eltern selbst müssen die Initiative ergreifen. Die Alleinerziehende Helena Ljungkvist ist inzwischen Teil eines Netzwerkes mit rund 20 weiteren allein stehenden Eltern. Gemeinsam versuchen sie, die großen Ferien so abwechslungsreich wie möglich für ihre Kinder zu gestalten.

„Wir legen dann alle zusammen, damit wir wegfahren können. Man will ja mit seinen Kindern etwas unternehmen. Wenn die Schule wieder anfängt, will man das Gefühl haben können: Meine Kinder hatten einen schönen Sommer.“

Liv Heidbüchel

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