Mangelhafte Hilfe für Selbstmordgefährdete

Gewisse Vorurteile über Schweden halten sich hartnäckig. Ein Beispiel ist da die Mär von den melancholischen Schweden, die mit Europas höchster Selbstmordrate aufwarten können. Dem ist nicht so. Im europäischen Durchschnitt ist Schweden hinsichtlich der Selbstmordrate eher auf den mittleren oder unteren Rängen zu finden. Dennoch: Auch hierzulande ist Suizid ein Problem. Jährlich nehmen sich rund 1500 Menschen das Leben. Zum Vergleich: Im Straßenverkehr sterben pro Jahr 500 Schweden. Das staatliche Amt für Sozialwesen, Socialstyrelsen, hat jetzt erstmals untersucht, ob Mängel im Gesundheitswesen mitschuldig an so manchem Selbstmord sind. Das Ergebnis: mit besserer Vorsorge könnten es weniger sein.   

Socialstyrelsen, das Amt für Sozialwesen, hat 153 Selbstmordfälle aus dem vergangenen Jahr untersucht. Allen Fällen war eines gemeinsam: Die Patienten nahmen sich das Leben,  nur einen Monat nachdem sie Kontakt mit einem Krankenhaus oder einem Arzt aufgenommen hatten. Das Ergebnis der Untersuchung wirft kein gutes Licht auf Mediziner und Pflegepersonal. Socialstyrelsen stellt erhebliche Mängel im Gesundheitswesen fest. Medizinalrätin Helena Silfverhielm: „Meistens handelt es sich um Fehler in der täglichen Routine, so zum Beispiel um eine falsche Einschätzung des Suizidrisikos, aber auch um fehlendes Wissen und um mangelhafte Kommunikation zwischen den behandelnden Ärzten einerseits und zwischen den Angehörigen andererseits.“ 

Ärzte müssen aufmerksamer sein

In über der Hälfte der untersuchten Fälle hatten die Patienten schon einen oder mehrere Selbstmordversuche hinter sich – doch diese Selbstmordversuche wurden entweder nicht ernst genommen oder nicht in der Krankenakte dokumentiert. Alle Fälle sind zudem so genannte „Lex Maria“-Fälle. Das heißt, sie wurden dem Amt gemeldet, weil der Verdacht auf medizinische Fehlbehandlung besteht. Noch einmal Helena Silfverhielm: „Man hat wohl noch nicht richtig gelernt, wie wichtig es ist, dem Patienten Fragen zu stellen. Wir hoffen, dass unsere Studie hilft zu verstehen, wie wichtig es ist, zu fragen, und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder, vor allem dann,  wenn sich im Leben des Patienten irgendetwas geändert hat. Oft reicht es, dass der Selbstmordgefährdete ein unerfreuliches Telefongespräch geführt hat, dass die Freundin Schluss macht oder dass es finanzielle Probleme gibt. Man muss wirklich aufmerksam und feinfühlig sein.“ 

Um die Situation zu verbessern, schlägt Socialstyrelsen nun eine Reihe von Maßnahmen vor. Mediziner, Pfleger und Angehörigen sollen besser zusammenarbeiten, Krankenakten sollen gründlicher geführt und das Selbstmordrisiko jedes einzelnen genauer beurteilt werden.  

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