Versicherungskasse mit Zahlungen im Verzug

In Schweden werden alle staatlichen Sozialleistungen über die Versicherungskasse „Försäkringskassen“ abgewickelt. Sei es das Krankengeld, das Elterngeld oder die Rente. Doch die Versicherungskasse kommt offenbar mit dem Auszahlen der Leistungen nicht hinterher.

Viele Schweden warten zurzeit auf finanzielle Leistungen, die ihnen eigentlich zustehen. Nach Recherchen des schwedischen Rundfunks haben viele Geschäftsstellen der staatlichen Versicherungskasse offenbar Probleme pünktlich zu zahlen. So auch die Zweigstelle im Stockholmer Stadtteil Södermalm.

”Ich habe gerade erfahren, dass ich mein Wohngeld nicht bekomme. Das führt dazu, dass ich in diesem Monat nur umgerechnet 640 Euro zur Verfügung habe,”  sagt eine Frau, die gerade aus der Zweigstelle der Södermalmer Versicherungskasse kommt. ”Das deckt noch nicht einmal meine Wohnungskosten. Ich habe ja eh schon wenig Geld und jetzt wird es noch schwerer. Es ist reiner Zufall, dass ich diesem Monat auch so klar komme. Aber, hätte ich keine Ersparnisse, wüsste ich nicht was ich machen soll.”

Problem Personalabbau

Der Grund für den Verzug: Vielerorts kommen die Angestellten mit der Bearbeitung der Anträge nicht hinterher. Laut Pontus Sundquist von der Zweigstelle der Versicherungskasse in Södermalm hat ein Sachbearbeiter etwa 1.000 Anträge auf Wohngeld zu bearbeiten: „Wir haben Personalmangel, das heißt, die Antragsteller müssen warten. In den vergangenen Jahren war die Situation besser, da haben wir das Geld immer pünktlich angewiesen. Das war noch nie ein Problem.“ Pontus Sundquist macht die Sparmaßnahmen der Regierung für die in Verzug geratenen Zahlungen verantwortlich. Infolge der Kürzungen werden allein in diesem Jahr insgesamt mehr als 1.000 Mitarbeiter der Versicherungskasse entlassen.

Auch in anderen Zweigstellen der Versicherungskasse gibt es Probleme mit dem Auszahlen von Leistungen. So zum Beispiel im südschwedischen Blekinge. Hier warten vor allem Eltern auf Lohnausgleich für die Betreuung ihrer kranken Kinder und auf ihr Erziehungsgeld, sagt Sune Evaldsson von der dortigen Zweigstelle: „Das kommt vor allem vom extremen Personalabbau, zu dem wir wegen unseres geringern Budgets in diesem Jahr gezwungen waren. Zum einen handelt es sich dabei um Mitarbeiter, die in Rente gegangen sind. Zum anderen waren wir aber auch gezwungen, einigen Mitarbeitern im Frühjahr zu kündigen. Das muss sich ja irgendwie bemerkbar machen.“

Führung weist Vorwürfe zurück

Die Leitung der Versicherungskasse weist die Vorwürfe zurück. Laut Maivor Isaksson, von der Zentralverwaltung, ist die Lage unter Kontrolle: ”Wenn man sich die Ergebnisse für das ganze Land ansieht, erzielen wir in allen Bereichen, die wir gemessen haben, ein deutlich besseres Resultat. Das Serviceniveau ist jetzt höher als im vergangenen Jahr.  Wir haben alles getan, dass die Bearbeitung der Fälle schneller vonstatten geht. Dies und die Tatsache, dass  wir die Selbstbedienungsangebote im Internet ausgeweitet haben, führt dazu, dass wir trotz des massiven Arbeitspensums alles schaffen.“

Benjamin Eyssel

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