Schwedendörfer in Thailand

Thailand ist in und gehört zu den beliebtesten Reisezielen der Schweden. Doch immer mehr Schweden reisen nicht nur nach Thailand, sie kaufen auch Häuser dort und lassen sich im Ferienparadies nieder. Entlang den Küsten entstehen so genannte Schwedendörfer.

Sie heißen Bali, Kharma oder Thai – die Haustypen, die schwedische Makler in kleinen thailändischen Dörfern anbieten. Der Stückpreis liegt bei rund einer Millionen Kronen, also umgerechnet rund 110 000 Euro, und die Villen gehen weg wie warme Semmeln. So zum Beispiel in Mae Phim, einem kleinen Fischerdorf knapp 200 Kilometer östlich von Bangkok. Björn Örmann von der Baufirma Logan blickt auf eine Reihe von gelben Villen mit rotem Dach, kleinen Gärten, Palmen und einem gemeinsamen Swimmingpool: „Hier sind wir in der Palm Tree Residence, da oben bauen wir gerade Mountain View und da hinten bei den roten Dächern liegt Tropical. Das war unsere erste Anlage und sie wurde vor 2 Jahren fertig.“ 

Ein neues Spanien
Jede Anlage in Mae Phim ist von einer zweieinhalb Meter hohen Mauer umgeben und rund um die Uhr bewacht. 30 Villen sind bereits fertig, 500 Häuser und Wohnungen sind im Bau. Fast alle sind verkauft. Bald werden die Schweden in Mae Phim in der Mehrheit sein. Die Lokalbevölkerung sieht das mit gemischten Gefühlen. Einerseits hoffen die Einheimischen auf Arbeit, anderseits befürchten sie, dass sich das idyllische Mae Phim bald in ein zweites Pattaya verwandelt mit Riesenhotels, vollen Stränden und Go-Go-Girls – erzählt Tath. Bauunternehmer Björn Örmann kann diese Befürchtungen nicht ganz von der Hand weisen: „Wir glauben, dass das hier das neue Spanien ist. Hier in Thailand geschieht jetzt dasselbe wie in Spanien in den 60er-Jahren.“ 

Gut für die Gesundheit
Doch Spanien ist zu teuer geworden und Thailand ist – noch – billig. Deshalb haben auch Åke und Maj-Lis Kreutzer aus Stockholm ihr Ferienhaus in Spanien nach der Pensionierung verkauft und sind vor einem Jahr mit Sack und Pack nach Thailand gezogen. Zurückgeblieben in Schweden sind nur das Bankkonto, die Kinder und die Enkelkinder, wie Mai-Lis Kreutzer lachend sagt. Und sie bereuen nichts. „Nicht eine Sekunde haben wir den Umzug bereut, es ist phantastisch hier. In Schweden litt ich an Schuppenflechten und Arthritis, hier habe ich nichts mehr, bin geheilt,“ erzählt der Rentner. 

Skandinavier unter sich
An sozialen Kontakten soll es den emigrierten Schweden nicht fehlen. Roger Wikström von Scandinavian Village erklärt das Konzept für das ’skandinavische Dorf’: „Um hier zu wohnen, muss man mindestens 50 Jahre alt sein und eine skandinavische Sprache beherrschen – Schwedisch, Dänisch oder Norwegisch. Wir wollen hier sozial funktionierende Einheiten schaffen, wo man miteinander kommunizieren kann.“ 

Erschreckende Armut
Doch das selbst geschaffene Ghetto muss nicht notwendigerweise Ghetto bleiben. Maj-Lis und Åke Kreutzer zum Beispiel handelten, als sie sahen, in welcher Armut viele Menschen im Urlaubsparadies Thailand leben. Sie gründeten einen Fond zugunsten bedürftiger Kinder und Schulen in ihrem neuen Heimatdorf. Maj-Lis Kreutzer: „Das trägt dann vielleicht auch dazu bei, dass wir Ausländer hier einen besseren Ruf bekommen. Wenn ich so daran denke, was wir von Leuten halten, die in Schweden leben und dort nur unter sich bleiben und ihre eigene Sprache sprechen – ja, da glaube ich, dass so etwas vielleicht ein wenig Goodwill schafft.“

Karin Häggmark

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