Justizministerin Beatrice Ask

Strittiger Vorschlag zum Sorgerecht

Auf Schwedens geschiedene Väter könnten demnächst härtere Zeiten zukommen. Eine Studie im Auftrag von Justizministerin Beatrice Ask sieht vor, das Sorgerecht für Scheidungskinder neu zu regeln. Bei geschiedenen Eltern, die das gemeinsame Sorgerecht für ein Kind haben, soll künftig nur noch der eine Teil Grundsatzentscheidungen treffen dürfen. Nach Ansicht von Interessensgruppen werden dadurch stets die Väter das Nachsehen haben.

Laut Anders Fors, dem Mitbegründer der Vereinigung „Vater-Kind“ („Pappa-Barn“) kann der Vorschlag aus dem Justizministerium fatale Folgen nach sich ziehen. Der rechtliche Status des gemeinsamen Sorgerechts werde nur noch auf dem Papier bestehen, prophezeit Fors: „Es besteht die Gefahr, dass die Mütter in neun von zehn Fällen das Entscheidungsrecht bekommen.“

Derzeit bestimmen geschiedene Eltern mit gemeinsamem Sorgerecht gemeinsam über ihre Kinder – ganz gleich, bei welchem Elternteil die Kinder wohnen. Bei Fragen wie Wohnort, Schulbesuch oder medizinischen Behandlungen haben die Mutter und der Vater dasselbe Mitspracherecht. In der Praxis kann dies zu langwierigen Streitigkeiten führen, die nicht selten auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden.

Kinderschutzvereine vorsichtig positiv 

Genau diesen Missstand versucht Justizministerin Beatrice Ask mit ihrer Gesetzesidee nun zu beheben. Eine von ihrem Ministerium in Auftrag gegebene Expertenstudie sieht vor, dass künftig nur noch ein Elternteil das Entscheidungsrecht hat – in der Praxis derjenige, bei dem das Kind hauptsächlich lebt. Kinderschutzverbände haben sich bislang vorsichtig positiv zu dem Vorschlag geäußert. Väter- bzw. Elternverbände hingegen ließen mit der Kritik nicht lange auf sich warten.

Nach Auffassung von Kim Möller vom „Elternnotdienst“ hebelt der Gesetzesvorschlag den Grundgedanken des gemeinsamen Sorgerechts komplett aus – meist zu Lasten des Vaters: „Man hat keine Möglichkeit mehr, sein Erziehungsrecht auszuüben. Damit wird das gemeinsame Sorgerecht ausgehöhlt. Wenn das Kind dann ein paar Hundert Kilometer entfernt wohnt, kann der Vater meist nichts mehr machen.“

Doch für Justizministerin Ask wiegt das Wohl des Kindes schwerer als die Interessen eines eventuell benachteiligten Elternteils. Es wird aber noch Monate dauern, bis aus der Idee tatsächlich ein Gesetz werden kann.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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