Beleidigung von Homosexuellen Streitkräften

Jeder vierte Wehrpflichtige in Schweden hat den Eindruck, dass man bei den Streitkräften tunlichst nicht offen homo-, bi- oder transsexuell sein sollte. Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation der Grundwehrdienstleistenden, „Värnpliktsrådet“. Zumindest seien sexuelle Minderheiten beim Militär weniger akzeptiert als sonst in der Gesellschaft.

Knapp 700 Wehrpflichtige haben die Fragen ihrer Organisation beantwortet, die Erkenntnis mag zwar nicht überraschend sein, aber erwünscht ist sie keineswegs.

„Oft handelt es sich um Seitenhiebe oder Sticheleien, die nicht-heterosexuellen Wehrpflichtigen das Gefühl geben, unerwünscht zu sein“, sagt Mikael Åström, Vertreter der Wehrdienstleistenden. „So was passiert zum Beispiel in den Duschen, vor allem wenn keine Vorgesetzten dabei sind.“

Diskriminierende Anspielungen
Es seien hauptsächlich die Wehrpflichtigen untereinander, die solche Töne anschlagen: „,Ihr lauft wie ein Haufen Tunten’“, kann es da schon mal heißen, wenn es zu langsam geht.“

Die militärische Führung hört gar nicht gern von solchen Erfahrungen. Schließlich herrschen bei den Streitkräften die gleichen Regeln wie sonst in der schwedischen Gesellschaft, und nach denen darf niemand wegen seiner sexuellen Neigungen diskriminiert oder beleidigt werden. Bengt Axelsson ist stellvertretender Personaldirektor des Militärs: „Meiner Ansicht nach arbeiten die Streitkräfte seit einigen Jahren äußerst seriös mit diesem Thema. Wir haben sämtliche Ausbildungspläne für Offiziersanwärter umgearbeitet. Darin wird die richtige Einstellung – also auch zu sexueller Neigung - behandelt. Die Beleidigungen der Wehrpflichtigen untereinander sind natürlich bedauerlich, und oft recht einfach abzubauen. Menschen, die so was sagen brauchen meistens Anleitung. Dann benutzen sie diesen Jargon nicht mehr.“

Lippenbekenntnisse
Mikael Åström von der Organisation der Wehrdienstleistenden findet allerdings, dass die Streitkräfte bei der Diskriminierungsbekämfpung nicht deutlich genug sind: „Vor allem müsste man das Personal besser informieren und sicherstellen, dass es sich nicht nur um Lippenbekenntnisse handelt, wenn die Ausbilder sagen, Homosexuelle seien als Soldaten okay. Offenbar ist diese grundlegende Ansicht noch nicht bis nach ganz unten zu den Wehrdienstleistenden durchgedrungen.“

Sybille Neveling

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