Kritik an Sexualunterricht

Der Sexualunterricht an schwedischen Schulen ist mangelhaft, behauptet der Verband für sexuelle Aufklärung, RFSU. Gerade einmal sechs Prozent der Lehrer hätten eine spezielle Ausbildung zur Erteilung von Sexualunterricht. In der Regel werde dieses Thema von ungeschultem Lehrpersonal unterrichtet. Kein Wunder also, dass die Zahl der Geschlechtskrankheiten unter Jugendlichen wieder rapide zunimmt, meint RFSU.

Im ersten Halbjahr 2007 steckten sich – soweit bekannt – 252 Schweden neu mit dem HI-Virus an. Das entspricht einer Steigerung von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch es sind nicht Drogenabhängige oder Homosexuelle, die für diesen Anstieg sorgen, wie oft vorschnell vermutet wird. Im Gegenteil, die häufigste Übertragungsart ist mittlerweile Geschlechtsverkehr zwischen Heterosexuellen. Aids, eine Krankheit, die man glaubte eingedämmt zu haben, ist wieder auf dem Vormarsch in Schweden. Gleiches gilt für Geschlechtskrankheiten, die man bislang nur aus medizinischen Geschichtsbüchern kannte.

Und betroffen sind immer mehr Jugendliche. Hier könnte ein besserer Aufklärungsunterricht Abhilfe schaffen. Doch meist wird das Fach Sexualkunde schlecht unterrichtet, kritisiert Åsa Regnér, die Vorsitzende der Organisation für sexuelle Aufklärung, RFSU: „Sexualunterricht ist äußerst wichtig. Wir wissen, dass da ein enormer Nachholbedarf  besteht. Trotzdem aber hat sich die Ausbildung der Lehrer nur wenig verändert. Es muss sich jedoch etwas ändern - im Sinne aller Jugendlichen, die zur Schule gehen. Der Unterricht muss der Generation angepasst werden, die unterrichtet wird.“

Zu wenig Engagement 

Solange nicht mehr als sechs Prozent der Lehrer entsprechend geschult sind - so wie bislang – wird sich das Problem aber nicht lösen lassen, meint Åsa Regner. Oftmals mangele es einfach am Engagement von Lehrern und Eltern, Sexualität angemessen im Lehrplan der Schulen unterzubringen. Diesen Eindruck bestätigen auch zwei Schülerinnen aus Stockholm: „Mir gefällt der Unterricht nicht. Man erfährt nichts Neues und die Lehrer scheinen sich unwohl mit dem Thema zu fühlen. Sie sollten ein wenig entspannter sein und klar über die Dinge reden. Schließlich ist das nichts Ekliges.“

Ob aus Scham oder schlicht Unwillen – in den derzeitigen Sexualunterricht investieren die Lehrer zu wenig. Dabei drängt die Zeit. Unkenntnis und Unbekümmertheit bei den Schülern werden die Zahl der Aidserkrankungen oder anderer Geschlechtskrankheiten vorerst weiter steigen lassen.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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