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Hinter der Fassade freundlicher schwedischer Häuser spielt sich oft Grausames ab.
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Studie:

Misshandlung von Pflegekindern gang und gäbe

Etliche schwedische Pflegekinder haben in ihrer Kindheit Entsetzliches mitgemacht. Zu diesem Schluss kommt eine staatlich in Auftrag gegebene Studie. Sie seien regelmäßig geschlagen und auch anders misshandelt worden, sagen viele der ehemaligen Pflegekinder und fordern Schadenersatz vom schwedischen Staat. Gesundheitsministerin Maria Larsson reagierte bestürzt auf die jüngsten Erkenntnisse, für Schadenersatzzahlungen sei es jedoch noch zu früh.

Mehr als 200.000 Kinder lebten von den 50ern bis in die 80er Jahre in Pflegefamilien. Vielen ging es dort gut, aber viele – und zwar mehr als bisher vermutet - litten Höllenqualen. Der von der Regierung eingesetzte Gutachter Göran Johansson hat bislang rund 60 ehemalige Pflegekinder interviewt, weitere 120 stehen noch aus. Schon jetzt zeichnet sich ein düsteres Bild ab.

„Dieses Leiden, das wir beschreiben sollen, ist nahezu unbeschreiblich, muss man wohl sagen. Mehrere Interviewte haben erzählt, dass sie ins Gesicht geschlagen oder verprügelt wurden, nackt oder angezogen. Mit Besenstielen, Teppichklopfern, Ketten, Bügeln, Peitschen, Brettern oder anderen Werkzeugen oder einfach mit der Hand.“

Wohlfahrtsstaat nicht für alle

Die meisten Interviewten lebten in den 50ern und 60ern in Pflegefamilien oder auch in Kinderheimen. Aber selbst von einer Kindheit in den vermeintlich fortschrittlichen 80ern konnten ehemalige Pflegekinder noch Horrorgeschichten berichten. Ein Schandfleck für den schwedischen Wohlfahrtsstaat? Gutachter Göran Johansson glaubt, dass sich in Schweden lange Zeit eine zu naive Sicht auf Pflegefamilien gehalten hat. Doch nur mit falschem Vertrauen in die Güte schwedischer Familien hat die Haltung nichts zu tun, meint die Vorsitzende der gemeinnützigen Organisation für Pflegekinder und Pflegefamilien, Annelie Hed.

„Richtig verwunderlich ist das nicht, denn ganz früher hat man sich ja ein Pflegekind als Knecht oder Magd ins Haus geholt. Heute ist das zwar nicht mehr so, aber die Sozialämter tun immer noch viel zu wenig für die Pflegekinder. Diese Kinder haben besondere Bedürfnisse, die Pflegefamilien bekommen aber keinerlei Unterstützung von den Ämtern.“

Mangelnde Kontrolle

Zwar habe es in den letzten Jahren viel und gute Forschung über das Leben in Pflegefamilien gegeben, meint Hed. Die Ergebnisse kommen jedoch offensichtlich nicht bei den Kommunen an. Viele Kommunen vermitteln zu wenige Kinder, um Routinen entwickeln zu können. Den allermeisten jedoch mangelt es schlicht an Ressourcen, um Pflegefamilien ordentlich betreuen zu können. 11.000 Kindern wachsen derzeit in Pflegefamilien oder Heimen auf – wie vielen von ihnen es dort schlecht ergeht, weiß niemand.

„Das ist ja das Unheimliche“, meint Anneli Hed. „Dass so viele Kinder in Pflegefamilien gesteckt werden, es aber nur alle halbe Jahre mal eine Kontrolle gibt.“

Warten auf den Schlussbericht

Gesundheitsministerin Maria Larsson will erst den Schlussbericht der Untersuchung in einem Jahr abwarten, bevor sie mögliche Schadenersatzzahlungen in Betracht zieht. Schon jetzt liegt ein Gesetzesvorschlag vor, der strengere und häufigere Kontrollen von Pflegefamilien vorsieht.

Liv Heidbüchel 

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