Militär geht gewaltsam gegen Demonstranten vor

Proteste in Myanmar: Bildt appelliert an Vernunft

Im sich immer mehr zuspitzenden Konflikt in Myanmar hat Schwedens Außenminister Carl Bildt das Militärregime zum demokratischen Dialog aufgerufen. Inzwischen hat das Militär das Feuer auf die friedlichen Demonstranten eröffnet. Mindestens fünf Menschen sind den Schüssen in die Menge bereits zum Opfer gefallen, etliche sind verletzt. Außenminister Bildt befindet sich zur Eröffnung der UNO-Generalversammlung in New York und schöpft derzeit alle diplomatischen Möglichkeiten aus.

Mit verschärften wirtschaftlichen Sanktionen sei von Seiten der EU noch nicht zu rechnen, betonte Bildt – doch da war die Lage in Myanmar noch unter Kontrolle. Inzwischen schießt das Militär wahllos auf die demonstrierenden Mönche und Bürger, die sich weiter dem Versammlungsverbot widersetzen. Droht eine Wiederholung des gewaltsam niedergeschlagenen Protestes vor 18 Jahren? Die Appelle der internationalen Gemeinschaft an das Regime in Rangun scheinen jedenfalls fehlgeschlagen.

Trotzdem hält Schwedens Außenminister Wirtschaftssanktionen für den falschen Weg, um die Ausschreitungen zu stoppen.

„Diese Art von Regime ist isolationistisch. Es ist schon lange an der Macht und agiert brutal. Tausende Menschen sind umgebracht worden. Aber das Regime sollte auch an seine eigene Zukunft denken.“

Einlenken - sonst drohen ”starke Reaktionen”

Und in dieser Zukunft sollte sich das Land dringend gegenüber der Umwelt und vor allem demokratischen Prinzipien öffnen, meint Bildt. Seit 45 Jahren ist das Militär an der Macht und hat Myanmar zu einem der 20 ärmsten Länder der Erde heruntergewirtschaftet. Unter den am Mittwoch getöteten Demonstranten sollen auch Mönche sein – ein Sakrileg in dem Land, dessen Bevölkerung zu 90 Prozent Buddhisten sind. Experten warnen bereits vor einem Volksaufstand und auch Schwedens Außenminister appelliert an das Militärregime einzulenken, bevor es zu spät ist.

„Sollte das Regime versuchen, den Aufstand zu zerschlagen, muss es mit noch stärkeren Reaktionen der Umwelt rechnen“, warnt Bildt. „Die Situation im Land wird sich deutlich verschlechtern. China und Indien kommt eine sehr wichtige Rolle in dem Konflikt zu. Auch die übrigen Nachbarländer können stärkeren Einfluss ausüben als etwa wir. Von Seiten der EU gab es Gespräche mit dem chinesischen und dem indischen Außenminister und ich kann nur hoffen, dass sie ihre Botschaft in aller Deutlichkeit dem Regime in Rangun vermitteln.“

Das Schwedische Außenamt hat schwedische Reisende in Myanmar inzwischen zu verstärkter Vorsicht aufgerufen. Menschenmengen solle man unbedingt meiden.

Liv Heidbüchel

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