Schweden schickt Truppen in den Tschad

Schweden schickt mehr Soldaten nach Afrika. Die EU-Außenminister haben beschlossen, eine Schutztruppe von rund 2.500 Soldaten in den Tschad zu schicken und Schweden wird sich dabei mit rund 200 Soldaten beteiligen. Auf die in internationalen Aufträgen so erfahrene Truppe wartet eine der kompliziertesten Missionen bisher. Dies die Beurteilung von Außenminister Carl Bildt. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Truppen wohl schlecht ausgerüstet in diesen Auftrag gehen werden.

Die Entscheidung fällt formell erst am 21. November im Reichstag. Die Vorbereitungen für die Entsendung der Truppen in den Tschad sind jedoch bereits angelaufen. Denn der Auftrag hat Dringlichkeit. Die Lage in der sudanesischen Provinz Darfur, wohin Schweden zusammen mit Norwegen ebenfalls Soldaten schicken wird, droht sich zu verschlechtern. Rund 30.000 arabische Nomaden sind in Darfur eingedrungen.

Dies belastet die ohnehin krisengeschüttelte Region noch mehr und erschwert die Verhandlungen, wie der von den Vereinten Nationen eingesetzte Vermittler, der ehemalige schwedische Außenminister Jan Eliasson, feststellt: „Das bedeutet, dass wir in den Flüchtlingslagern starke Reaktionen zu erwarten haben. Eine Unruhe, dass die Menschen nicht mehr zurückkehren können. Das ist ein neuer Faktor im Gefüge, das sowieso schon schwer zu hantieren ist. Diese arabischen Gruppen, die von außerhalb von Darfur kommen, sind noch schwerer in den Verhandlungsprozess zu integrieren.“

Die jetzt von der EU beschlossene Truppe für den Tschad, soll Flüchtlinge aus Darfur beschützen und wohl zum Jahreswechsel vor Ort sein. Das Hauptkontingent wird von Frankreich gestellt, aber auch schwedische Truppen sollen sich beteiligen. Eine heikle Mission, die einer guten Ausbildung und auch guter Ausrüstung bedarf. Stolz präsentiert Maria Larsson vom Beschaffungsamt der schwedischen Streitkräfte die neue Uniform für Einsätze in heißen Ländern:„Das ist eine leichtere Uniform, die den Einsatz bei warmem Klima für die Soldaten so komfortabel wie möglich machen soll.“

Warten auf Uniformen

Doch die Einheit, die in den Tschad entsendet werden soll, wird noch nicht in den Genuss dieses Fortschrittes kommen, bestätigt Larsson: „Uns fehlt der Stoff dafür und wir müssen den Auftrag auch noch ausschreiben.“

Auch was die Einheit betrifft, die in diesen Einsatz geschickt werden soll, bestehen bereits Zweifel. Der Auftrag im trockenen und heißen Tschad soll nämlich von einem Amphibienverband durchgeführt werden. Doch der Einsatzchef der Streitkräfte, Jan Jonsson, sieht da keine Probleme: „Die Aufgabe dieses Amphibienverbandes ist es normalerweise im Gebiet der Schären zu kämpfen. Also zu Wasser und auf Land. Aber das ist eine auf dem Land kämpfende Truppe wie alle anderen. Sie können eben auch mit Kampfbooten in den Schären eingesetzt werden.“

Ausgelaugte Soldaten

Die internationalen Verpflichtungen sind in den letzten Jahren immer mehr für Schweden geworden und zehren sehr an den Verbänden. Manche Soldaten waren bereits in mehreren Kräfte zehrenden Einsätzen unterwegs. Ann-Charlotte Lyman war zum Beispiel im Kosovo und in Afghanistan. Das ist an ihr nicht spurlos vorübergegangen, wie sie erzählt: „Ich habe mich selbst nicht wieder erkannt. Ich bin normalerweise sehr offen und fröhlich. Aber plötzlich habe ich mich zurückgezogen, wollte nicht mehr Freunde treffen. Ich war die ganze Zeit müde. Da sind natürlich in mir Fragen und Zweifel aufgekommen.“

Die neuen Missionen werden die schwedischen Streitkräfte zusätzlich belasten. Gleichzeitig will die Regierung sparen und das beeinflusst auch die technische Ausrüstung der Truppen, wie Allan Widman bestätigt. Der Reichstagsabgeordnete der Liberalen war im Ausschuss, der die bisherigen internationalen Einsätze untersucht hat: „Wir haben zum Beispiel einen wichtigen Mangel entdeckt, der betrifft die Evakuierung von Verletzten. Da haben wir viel zu wenige Helikopter, die Verletzte aus dem Einsatzgebiet fliegen können. Da es sich aber häufig um Länder mit schwierigem Gelände handelt, ist das ein wesentlicher Mangel.“

Die Schweden müssen deshalb darauf hoffen, dass sie von ihren Kollegen im Tschad aus unter anderem Frankreich, Irland Polen und Spanien ausreichend Unterstützung bekommen.

Dieter Weiand