Ernüchtert: Sven Otto Littorin

"Einstiegs-Jobs" ein Fiasko

Jobs, Jobs und nochmals Jobs. Auf der Tagesordnung der bürgerlichen schwedischen Regierung steht die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ganz oben. Nicht zuletzt unter Einwanderern tut das Not –  hinsichtlich der Beschäftigungssituation bei Einwanderern gehört Schweden zu den Schlusslichtern der EU. Im vergangenen Juli glaubte die Regierung für dieses Problem eine mögliche Lösung gefunden zu haben. Doch bislang ist die Rechnung nicht aufgegangen.  

Instegsjobb, Einstiegs-Jobs lautete das Zauberwort, das die Regierung im Sommer lancierte. Am 1. Juli wurde das Prinzip eingeführt: Einwanderer, die in den zurückliegenden anderthalb Jahren die Aufenthaltserlaubnis erhalten hatten, sollten demnach eine Anstellung mit Unterricht in Schwedisch kombinieren können. Arbeitgebern, die einen solchen Einstiegs-Job vergaben, garantierte der Staat im Gegenzug die Senkung der Lohnkosten um mindestens die Hälfte.
So weit, so gut. Doch wie sich jetzt zeigt, hat die löbliche Idee der Praxis nicht standgehalten. In den vergangenen vier Monaten haben gerade mal 163 Personen einen Einstiegs-Job bekommen. Arbeitsmarktminister Sven-Otto Littorin ist ernüchtert, gleichzeitig aber auch kampfeslustig:

„Ich finde, die Bilanz sieht gelinde gesagt mickerig aus. Natürlich wäre es mir lieber, wenn wir eine höhere Erfolgsquote vorweisen können. Nun müssen wir schauen, was schief gelaufen ist. Handelt es sich um ein strukturelles Problem, sprich: ist das Prinzip an sich zu kompliziert, dauert seine Einführung zu lange; oder haben wir vor allem ein Informationsproblem. Das müssen wir herausfinden und versuchen, besser zu werden.“

In der Debatte der Parteivorsitzenden im Reichstag vor zwei Wochen hatte Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt die Einstiegs-Jobs noch als Erfolgsmodell gefeiert. Doch offenkundig gehört der Regierungschef zumindest in diesem Fall nicht zu den Bestinformierten. Der magere Ertrag der Reform, so mutmaβt inzwischen Arbeitsmarktminister Littorin, hänge nicht zuletzt mit der Skepsis bei Arbeitgebern zusammen; ein „Einsteiger“, der nebenher noch Sprachstudien betreibt, sei schwierig in die übrige Arbeitsorganisation einzubinden.

Offen für Neues

“Auch wenn manche Arbeitgeber so räsonieren, ist für den Einzelnen, der nach Schweden kommt, eben gerade die Kombination Arbeit und Sprache der Schlüssel, um in der schwedischen Gesellschaft Fuβ zu fassen. Nur so kann Integration richtig funktionieren, und deshalb legen wir auf die Kombination Sprache und Job so groβen Wert.“

Doch alle hehren Gedanken nutzen nichts, wenn das Prinzip in der Praxis keine Abnehmer findet. Deshalb will die Regierung auch nicht stur an den Einstiegsjobs festhalten. Noch hofft der Arbeitsmarktminister, dass das neue System bisher schlicht zu unbekannt ist und entsprechend mehr Werbung braucht. Aber sollte es sich als grundsätzlich falscher Gedanke erweisen, ist man offen für Neues.

“Wir werden die Sache auswerten. Und wir sind bereit, die Einstiegsjobs wieder abzuschaffen und stattdessen etwas anderes zu probieren, das bessere Ergebnisse bringt“, sagt Sven Otto Littorin.
Anne Rentzsch

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