Jungstedt-Krimis werben für Sommerparadies Gotland

Mari Jungstedt ist eine der inzwischen unzähligen schwedischen Krimiautorinnen, die den deutschen Markt erobern. Auf Deutsch sind bereits drei von Jungstedts Krimis erschienen, sie alle spielen auf der Ostseeinsel Gotland. Mari Jungstedt wird sich aus der Masse der Konkurrenz künftig hervorheben, denn Ende Dezember strahlte das Zweite Deutsche Fernsehen die ersten beiden Verfilmungen der Jungstedt-Reihe aus. Mehr als fünf Millionen sahen die prominent besetzten Filme mit Walter Sittler in der Hauptrolle und etlichen schwedischen Stars der Film- und Theaterszene, darunter etwa auch die ehemalige Pippi Langstrumpf, Inger Nilsson - und bald kann sich das schwedische Publikum seine Meinung bilden.

Marion Freitag, PR-Managerin beim Schwedischen Touristenverband visitsweden in Hamburg, glaubt, dass dank der Gotland-Krimis künftig mehr deutsche Schwedentouristen Gotland entdecken wollen.

Unheilvoll beginnen die TV-Krimis „Der Kommissar und das Meer“ und das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn auf der ansonsten so lieblichen Urlaubsinsel werden im Verlauf grauenvolle Morde geschehen. Kein geringerer als der deutsche Kommissar Robert Anders, gespielt von Frauenschwarm Walter Sittler, muss diese Morde aufklären. In den Büchern von Mari Jungstedt ist der Kommissar Anders Knutas ein waschechter Gotländer, in der Verfilmung des ZDF aber nun musste die Rolle Walter Sittler auf den Leib geschrieben werden und so wird aus Anders Knutas eben Robert Anders.

Symbiotische Verbindung

Warum es Kommissar Robert Anders nach Gotland verschlagen hat, bleibt unausgesprochen. Doch dass Walter Sittlers Kommissar eine Symbiose mit der für Schweden so untypischen Insel eingegangen ist, kann keinem entgehen. Immer wieder steht Sittler auf einer der kargen Klippen, sein gedankenschwerer Blick aus tiefblauen Augen schweift übers ebenso blaue Meer und verweilt dann am Horizont. Dabei hat er wohl so manche Eingebung, denn seine Fälle löst Kommissar Robert Anders natürlich auch, dabei machen es ihm seine Verdächtigen wirklich nicht leicht.

In Hamburg hat sich Irma Platow die Filme angesehen. Sie schätzt schwedische Krimis in jeglicher Form, und dann hat sie noch eine besondere Schwäche für Walter Sittler. Der Funke wollte trotzdem nicht so recht überspringen.

Ich fand den Ersten besser als den Zweiten.

„Ich fand die Filme eher ruhig und langweilig. Zu wenig Spannung und es zog sich so einiges in die Länge. Ich sehe auch gerne Kommissar Beck und das sind ganz andere Geschichten, die ich viel spannender fand. Was mir an dem Film aber gut gefallen hat, waren die Landschaftsaufnahmen, weil ich selbst schon auf Gotland war und einiges wieder erkannt habe. Und dann natürlich der deutsche Schauspieler Walter Sittler.“

Einzig spannend: die gotländische Landschaft

Auch der Hamburger Carsten Ohlsen guckt sich gemeinsam mit seiner schwedischen Frau nahezu alles im Fernsehen an, was mit Schweden zu tun hat. Von den Filmen „Der Kommissar und das Meer“ ist er überhaupt nicht begeistert, trotz der an sich spannenden und hochaktuellen Themen Mobbing und sexueller Missbrauch junger Mädchen.

„Ich fand den zweiten Film genauso enttäuschend wie den ersten. Ich fand die Schauspieler auch zum größten Teil schlecht, das klang alles so angelernt. Es fehlte das Leben! Für mich war das ein typisch deutscher Film, dem im Vergleich zu englischen, schwedischen oder französischen Filmen die Leichtigkeit fehlte. Hier passte aber nichts, es war nur aufgesetzt. Ich fand es nicht gut.“

„Ich fand den ersten besser als den zweiten, der war eher langweilig“, findet auch Carstens Frau Ingrid. „Aber die Aufnahmen von Gotland waren auf jeden Fall sehr schön. Wir waren ja schon da und haben immer überlegt, kennen wir das, kennen wir das nicht, wo kann das wohl sein? Ich fand nur, dass es zu wenig Bilder von Visby und der Stadtmauer waren, dort ist es ja besonders schön.“

Nach Kommissar Beck und Wallander, der Krimi-Serie „Der Adler“ und natürlich den frei erfundenen, aber dabei durchaus erfolgreichen Geschichten Inga Lindströms wissen die Produzenten natürlich genau, welche Bilder das deutsche Publikum aus Schweden erwartet. Und so gibt es von Gotland neben besagten Klippen und Visby, der Stadt der Rosen, Aufnahmen von den Stränden, und von der eigenwilligen Insel Fårö im Norden Gotlands. Alles attraktive Bilder, die vor allem der Tourismusverband auf Gotland gern für sich nutzen möchte. Reisen nach Gotland auf den Spuren Mari Jungstedts sind geplant.

Verlag und Tourismusverband nutzen die Gelegenheit

Mit schon jetzt mehr als fünf Millionen Zuschauern, zwei weiteren bereits abgedrehten Folgen in petto und noch mehr Folgen in Planung wird „Der Kommissar und das Meer“ sicher keine Eintagsfliege sein. Auch der deutsche Verlag hat das erkannt und passend zur Erstausstrahlung der Filme eine Sonderausgabe der Krimis herausgebracht – Gotland-Karte und Interview mit der Autorin inklusive. 

Auch wenn sich die Krimis von Mari Jungstedt in Deutschland rund 150.000 Mal verkauft haben, so ist Irma Platow von der Autorin nicht sonderlich überzeugt. Vom Inhalt ist nicht viel hängen geblieben: „Daran kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Ein Buch habe ich von ihr gelesen, aber ich weiß nicht, ob ich noch mal eins lesen würde. Aber es gibt ja wohl mehrere Filme und die werde ich mir auch alles ansehen. Wegen Walter Sittler!“

Sittler alias Anders bald auf Schwedisch?

Diesen Schauspieler wird auch das schwedische Publikum aller Wahrscheinlichkeit nach demnächst entdecken können. Dann bekämen die Schweden auch die Pippi-Langstrumpf-Darstellerin Inger Nilsson in ihrer ersten größeren Rolle seit damals zu sehen: Zurzeit nämlich verhandelt das ZDF mit dem Privatsender TV4.

Liv Heidbüchel