Lotsen auf dem Trockenen

Rationalisieren, vereinfachen, schlanker werden – diese Devise gilt nicht nur für die Privatwirtschaft sondern auch für die staatlichen Dienstleistungen. Zu ihnen gehört auch der schwedische Lotsendienst. Die Regierung plant, dass die Lotsen einen wesentlichen teil ihrer Arbeit von Land aus erledigen sollen – mit Hilfe von Radar und technischer Ausrüstung. Ein Vorschlag der bei den Lotsen auf wenig Verständnis stößt.

Der Versuch soll vor Göteborg und im Öresundgebiet stattfinden. Statt zu den Schiffen hinauszufahren und einen Lotsen an Bord zu bringen, soll der Lotse bei einer Leitstelle im Hafen sitzen und den Schiffen mit Hilfe von Radar und GPS assistieren. Patrik Vikand vom Göteborger Hafen ist einer von 220 Lotsen in Schweden und hält wenig von dem Vorschlag: „Wir haben es doch hier mit der Wirklichkeit zu tun und sehen wie das abläuft. Auf einem Radarschirm sieht man vieles einfach nicht. Wir sehen, was an Bord geschieht und können direkt eingreifen. Mit dem Radar läuft alles zeitverzögert.“

Der Vorschlag der jüngst der Regierung unterbreitet wurde, sollte die Lotsendienste effektivieren, dabei aber die Sicherheit auf See nicht gefährden. Das neue Arbeiten der Schiffslotsen sollte mit technischer Ausrüstung dem der Fluglotsen ähneln.

Den Vergleich lässt auch Patrik Vikand zu, macht aber gleichzeitig darauf aufmerksam, dass der Unterschied zwischen einem Flugzeug und einem Schiff eben doch sehr groß ist. Ein Schiff sei eben viel schwerer zu manövrieren, so Vikand: „Manchmal reicht auch unsere Kunst nicht aus. Dann brauchen wir Schlepper. Das ist dann noch mal eine andere Dimension, wenn Schlepper koordiniert werden müssen. Der neue Vorschlag wird nie in Wirklichkeit funktionieren. Davon sind wir überzeugt.“

Jetzt ist es an der Regierung zu entscheiden, ob der Vorschlag gegen den Willen der Lotsen durchgezogen werden soll. 

Dieter Weiand