Überraschende Entdeckung

Militär klagt über klamme Kassen

Das schwedische Militär steckt in größerer finanzieller Not als bisher vermutet. Jüngsten Berechnungen zufolge fehlen umgerechnet 160 Millionen Euro – Geld, mit dem die Wehrpflichtigen eine vernünftige Ausbildung bekommen sollen. Ob Qualitätssicherung in dieser Form künftig noch möglich sein kann, ist aber fraglich. Denn der Oberbefehlshaber der Streitkräfte will nun an den Manövern sparen. Damit kein zu großes Gefälle entsteht, sollen andere Gelder innerhalb des Verteidigungshaushaltes umgeschichtet werden. Beim Verteidigungsministerium stoßen diese Pläne nicht auf Begeisterung.

Die Nachricht vom Defizit in mehrstelliger Millionenhöhe kam bei der alljährlichen Konferenz des politisch unabhängigen Zentralverbandes „Volk und Verteidigung“ im mittelschwedischen Sälen. Rund 160 Millionen Euro fehlen im Verteidigungshaushalt. Das habe sich lange angebahnt, meint der Oberbefehlshaber. Darin unterstützt ihn Jan Salestrand, bei den Streitkräften für technische Entwicklung der Verbände zuständig.

„Wir haben bei unseren früheren Berichten nie einen Hehl daraus gemacht, was die Sparmaßnahmen bei gleichzeitiger Umorganisation des Militärs bedeuten. Aber wir haben das nicht in konkreten Zahlen ausgedrückt, wie das jetzt die Medien tun. Natürlich haben wir auch vorher genau gerechnet und veranschlagt, aber letztendlich zeigt erst die Erfahrung, dass die Ausgaben höher sein werden als geplant.“

Die Militärs haben bereits beim Verteidigungsministerium beantragt, Gelder umverteilen zu dürfen. Unter anderem sollen knapp 90 Millionen Euro vom Materialbudget in Ausbildung und Manöver gesteckt werden. Dabei hatte sich etwa bei der Bildung der schnellen Eingreiftruppe „Nordic Battle Group“ gezeigt, dass es den Streitkräften oftmals gerade an Material fehlt. Darunter hatte letztlich auch die Ausbildung der Soldaten gelitten.

Ministerium erstaunt

Doch im Ministerium sind frühere Berichte und Klagen über einen mangelhaften Haushalt offenkundig nicht verstanden worden. Verteidigungsminister Sten Tolgfors gab sich im Schwedischen Rundfunk überrascht, eine Zusage zur Umverteilung von Geldern will er noch nicht machen.

„Wir müssen zuerst einmal feststellen, inwieweit die Anfrage überhaupt mit den veränderten Aufgaben der Streitkräfte zusammenhängt. Möglicherweise hat es ja auch nicht genügend Finanzkontrollen gegeben und deshalb sind die Kosten plötzlich explodiert. Erst wenn wir das beurteilen können, wird die Regierung über den Antrag entscheiden.“

Vertrauen ungebrochen

Oberbefehlshaber Håkan Syrén würde einen extra Zuschuss für die umfassende Umstrukturierung der Streitkräfte begrüßen. Denn natürlich koste es mehr, effektive Verbände etwa im Tschad oder in Afghanistan einzusetzen als eine Verteidigungsarmee zu unterhalten mit der Ausrüstung im Lager. Verteidigungsminister Tolgfors versicherte, trotz des Millionenlochs habe er weiterhin vollstes Vertrauen in den Oberbefehlshaber.

Liv Heidbüchel