Umweltminister Carlgren und Ministerpräsident Reinfeldt sind zufrieden
EU-Klimapaket

Stolze Regierung - enttäuschte Umweltschützer

Mit dem Klimapaket hat die EU-Kommission an Schweden hohe Anforderungen gestellt. Während die bürgerliche Regierung mit stolz geschwellter Brust von einer Herausforderung spricht, die das Land selbstverständlich meistern wird, sieht sie sich gleichzeitig im Kreuzfeuer der Kritik. Während der Opposition und Umweltschützern die Maßnahmen nicht weit genug gehen, fürchten sich Wirtschaft und Verbraucher vor hohen Kosten.

Um 17 Prozent soll Schweden bis zum Jahr 2020 seine Treibhausgas-Emissionen senken. Gleichzeitig soll der Anteil an erneuerbaren Energien von 40 auf 49 Prozent ausgebaut werden.

Ministerpräsident Reinfeldt reklamiert für seine Regierung und Schweden, eine der treibenden Kräfte hinter den neuen Klimazielen der EU zu sein. Obwohl Schweden bereits viel in Sachen Umwelt getan habe, seien die neuen Anforderungen nicht gering, aber die Stockholmer Regierung werde die Ziele mit aller Kraft unterstützen, so Reinfeldt: „Wir übernehmen die Führerschaft in Europa und in Schweden. Wir sind schon weit gekommen und wir werden die von uns entwickelten Kenntnisse und Mechanismen nutzen noch weiter zu kommen und andere ebenfalls dabei zu unterstützen.“

Feilschen bis zum Schluss

Auch Wirtschaftsministerin Maud Olofsson findet die Anforderungen aus Brüssel recht hoch. Bis zuletzt ist noch darum gefeilscht worden. Olofsson hält die Aufgabe aber für machbar. Ihr Kollege vom Umweltressort Andreas Carlgren weist dagegen die Kritik aus Wirtschaftkreisen zurück, dass dies eine teure Geschichte sei und Arbeitsplätze kosten werde: „Bisher ist es doch so gewesen, dass wir unsere Emissionen bereits stark gesenkt haben und gleichzeitig mehr Arbeitsplätze entstanden sind. Darüber hinaus haben die Menschen mehr im Geldbeutel. Es gibt keinen Grund, dass diese Entwicklung sich ändern sollte, wenn wir die richtigen Mittel einsetzen.“

Den Umweltschützern gehen die Forderungen der EU dagegen längst nicht weit genug. Schweden müsse sehr viel mehr tun, als von der EU gefordert, meint der Generalsekretär des Schwedischen Umweltschutzverbandes, Svante Axelsson: „Ich bin froh, dass die EU agiert, aber ich bin unzufrieden weil das Angekündigte nicht ausreicht, um die Herausforderung anzunehmen. Wir müssen den Trend auf der gesamten Welt in den nächsten sieben bis acht Jahren brechen und dazu reicht das nicht aus.“

Hohe Energiepriese befürchtet

Die Verbraucher fürchten dagegen höhere Energiepreise. Eine Befürchtung die von der Stromwirtschaft genährt wird. Die Umstellung auf noch mehr erneuerbare Energien werde teuer, sagt Bo Källstrand, Vorsitzender des Verbandes der schwedischen Stromerzeuger „Svensk Energi“: „Die Ziele für den Klimaschutz und erneuerbare Energien werden die Energiepreise nach oben treiben, sowohl in Europa als auch in Schweden.“

Thomas Kåberger  ist Professor am internationalen Umweltinstitut der Universität in Lund. Auch er glaubt an steigende Energiepreise. Gleichzeitig ist er jedoch der Meinung, dass Verbraucher und Industrie ihre Ausgaben aktiv beeinflussen können: „Die Verwirklichung der Ziele wird bedeuten: Wer die richtige Energiequelle wählt, der profitiert und wer fürs Klima schlechte Energien wählt, muss bezahlen. Die Haushalte und Unternehmen können ja selbst bestimmen, welche Energiequellen sie nutzen und welche energieeffektiven Methoden und Transporte sie verwenden.“

Was den erhöhten Anteil von erneuerbaren Energien angeht, kann dies ein Wermutstropfen für alle Befürworter eines Ausbaus der Kernenergie sein. Atomkraft zählt nämlich nicht zu den erneuerbaren Energien. Schweden wir deshalb eher angehalten sein, Wind- und Wasserkraft auszubauen.

Dieter Weiand

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