Abrüstung kostet Armee 450 Millionen Euro

Dass im Etat der schwedischen Armee ein tiefes Loch klafft, darüber ist in den vergangenen Wochen schon mehrfach diskutiert worden. Nun tut sich jedoch einen weitere finanzielle Großbaustelle auf, die das Verteidigungsministerium erheblich mehr Geld kostet als erwartet. Und dass, obwohl es dabei eigentlich um Abrüstung geht.

Eigentlich könnten die Schweden froh darüber sein, dass sie ihre Armee nicht mehr dafür brauchen, um gegen eine mögliche Invasion von außen gewappnet zu sein. Doch seit Ende des Kalten Krieges liegen jede Menge Gerätschaften und Material des Militärs auf Halde. Material, das nicht mehr gebraucht wird, wie Lennart Larsson, Chef für den Verkauf  von Armeebeständen weiß:

„Wir haben Schuhmacherausstattung, Metzgereibedarf, Tischlereiwekrzeug, bei uns gab es alles.“

Schwedens Militär hatte geplant, durch den Verkauf solcher Bestände jährlich mehrere Millionen Euro einzunehmen. Doch wie sich herausstellte, waren die Kosten eines solchen Ausverkaufs zehnmal so hoch wie die Einnahmen. In den vergangenen sechs Jahren sind etwa 350 Millionen Euro Steuergelder dafür aufgewendet worden, die Lager der Armee von überflüssigem Gerät zu befreien. Konteradmiral Leif Nylander hat eine Erklärung dafür, warum das so ist:

„Nicht alles, was wir verkaufen wollen, ist für Käufer auch interessant. Für alte Flugzeuge vom Typ Viggen gibt es zum Beispiel keine Käufer. Die müssen wir dann ordnungsgemäß und umweltgerecht entsorgen. Genauso ist es mit Munition. Die können wir aus Gründen des Umweltschutzes nicht einfach in die Luft jagen.“

Genau solche Dinge scheinen aber manche Entscheidungsträger nicht bedacht zu haben. Denn in den Kalkulationen, die das Militär anstellte, bevor im Jahr 2001 mit der Räumung der Lager begonnen wurde, fanden sich noch ganz andere Zahlen. Da war noch davon ausgegangen worden, dass die Kosten ungefähr 180 Millionen Euro betragen würden. Nun hat das Militär schon doppelt so viel ausgegeben. Und da die Abrüstung noch mindestens vier Jahre dauern wird, könnten noch einmal 100 Millionen Euro hinzukommen.

Eine ungünstige Situation für das Militär. Denn weil die Armee wegen akuter Finanznot gerade darum gebeten hat, Gelder im Etat umschichten zu dürfen, rätselt nun so mancher, wie es eigentlich um die Übersicht über die Finanzen beim Militär bestellt ist? Auch Verteidigungsminister Sten Tolgfors stellt sich diese Frage:

„Es ist wichtig, dass die Armee ihr Budget besser kontrolliert. Deshalb sollen jetzt unter anderem Experten dabei helfen, bessere Fähigkeiten bei Prognosen und Analysen zu entwickeln.“

Sein Ministerium, so Tolgfors, werde die finanzielle Lage der Armee genau prüfen, und dabei würden auch diese Dinge weiter im Auge behalten. Angesichts der Haushaltslage des Militärs vermutlich keine allzu schlechte Idee.

Thomas Fenske

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