Schlichterspruch:

10,2 Prozent mehr Gehalt für Lehrer

Schwedens Lehrer gehören sowohl im Lande als auch im europäischen Vergleich nicht gerade zu den Besserverdienenden. Nun können sich die Pädagogen allerdings freuen. Seit gestern Abend steht nämlich fest, dass ihnen eine ordentliche Gehaltserhöhung ins Haus steht.

Es waren zähe, langwierige Verhandlungen, die die beiden Lehrergewerkschaften mit dem Verband der Kommunen und Provinziallandtage auszutragen hatten. Noch im Dezember lagen die Tarifpartner mit ihren Vorstellungen so weit auseinander, dass eine Einigung nicht möglich war. Die Schlichtung musste her. Jetzt, drei Wochen, nachdem die beiden Schlichter ihre Arbeit begonnen haben, ist zumindest die Auseinandersetzung um die Gehälter der rund 220.000 Lehrer und Pädagogen in Schweden beendet. Um 10,2 Prozent sollen die Einkünfte bis März 2010 insgesamt steigen – und das rückwirkend zum 1. Juli vergangenen Jahres. Ein Ergebnis, dass Eva-Lis Preisz vom schwedischen Lehrerverband zufrieden stellt:

”Das sind Lohnsteigerungen, die eine Kompensation für die Lohnausfälle im Jahr 2007 darstellen, als viele Lehrer richtig schlecht behandelt wurden. In Stockholm zum Beispiel, wo es 2007 nur zwei Prozent mehr gab, müssen nun noch 8,2 Prozent mehr gezahlt werden. Das ist ein Fortschritt.”

Es sei schlichtweg auch an der Zeit gewesen, dass die Bedeutung des Lehrerberufes sich auch beim Gehalt niederschlägt, so Preisz. Ein Grundschullehrer liege in manchen Kommunen mit etwa 2500 Euro im Monat auf dem Niveau eines Hausmeisters oder einer Kinderbetreuerin. Für ihre Ausbildung erhielten Lehrer damit die schlechteste Belohnung auf dem Arbeitsmarkt.

Auch Ingela Gardner Sundström von der Vereinigung der schwedischen Kommunen und Provinziallandtage ist mit dem Ergebnis grundsätzlich zufrieden. Dabei muss sie zugeben, dass die rückwirkenden Lohnerhöhungen auch eine Art Kompensation für zu geringe Lohnerhöhungen im vergangenen Jahr sind.

”Dass das Abkommen so aussehen würde, hatten wir nicht unbedingt erwartet, aber so war eben der Schlichterspruch. Es gibt nun mal Lohnfestsetzungen auf lokaler Ebene, und die fallen dann auch entsprechend der lokalen Voraussetzungen unterschiedlich aus. Aber das hat die Gewerkschaft eben nicht akzeptieren wollen, und deshalb müssen die Kommunen, in denen die Lohnerhöhungen geringer waren, in den kommenden Jahren mehr bezahlen.”

Der zweite Knackpunkt bei den Verhandlungen blieb allerdings auch nach dem Schlichterspruch offen. Die Frage der künftigen Arbeitszeiten soll durch eine Arbeitsgruppe unter der Leitung eines unabhängigen Vorsitzenden geklärt werden. Und da gibt es noch viel zu tun, glaubt man Eva-Lis Preisz:

”Wir müssen für Lehrer aller Schulformen die Voraussetzungen dafür schaffen, sinnvolle Vor- und Nacharbeit zu leisten und ihre Kompetenz weiter zu entwickeln. Die Arbeitszeiten müssen das möglich machen.”

Thomas Fenske

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