Bauhandwerk

Zu wenig Fachpersonal

Die Baubranche ist immer ein Indikator dafür, wie es der Wirtschaft eines Landes geht. Dementsprechend müsste es Schweden prima gehen, denn auf dem Bau ist viel los. Doch der positive Trend schlägt sich bei der Zahl der Arbeits- und Ausbildungskräfte in diesem Sektor nur bedingt nieder. Und das findet mancher geradezu verdächtig.

Deutsche Handwerker können sich dafür freuen, so etwa Stefan Bockx. In Deutschland hätte sich der gelernte Dachdecker ohne Meister nicht selbständig machen können. Nun renoviert er in einem Radius von 500 km in Südschweden Dachstühle und Fassaden, kachelt Badezimmer und verlegt Fußböden, meistens für deutsche Ferienhausbesitzer. Und vor Aufträgen kann er sich kaum retten. Das liegt einmal am Handwerkermangel, aber es gibt noch einen weiteren Grund, warum sich die Kunden an ihn wenden.

Anders Matsson, Chef der Installationsfirma Björnbergs in Stockholm, ist eigentlich zu beneiden. Die Arbeit seines Unternehmens ist derzeit stark gefragt. Doch für Matsson hat das nicht nur Vorteile. Inzwischen muss er nämlich sogar Aufträge ablehnen. Der Grund: Matsson hat nicht genügend qualifiziertes Personal.

”Das ist eine bedauerliche Situation. Wir könnten die Produktion ausweiten, wenn wir mehr kompetente Gas- und Wasserinstallateure hätten.”

Das könnte eine Chance für viele Arbeitslose sein, umzuschulen und ins Bauhandwerk einzusteigen. Aber so leicht ist der Einstieg dann doch nicht. Denn der derzeit boomende Bausektor bietet längst nicht so viele Ausbildungs- und Umschulungsplätze an wie zum Beispiel das übrige Handwerk oder Pflegeeinrichtungen. Lars Tullstedt vom Verband der schwedischen Bauindustrie erklärt, warum die Branche bei Ausbildungsmaßnahmen auf die Bremse tritt:

”Wir haben das nicht ohne Grund gemacht. Wir wussten ja, wie es auf dem Arbeitsmarkt aussieht, und wir waren auch zuversichtlich, dass von den Schulen wieder Nachwuchs kommt.”

Und sogar den Arbeitnehmervertretern ist es recht, dass die Zahl der Ausbildungs- und Umschulungsmaßnahmen nicht allzu stark steigt. Hans Tilly von der Baugewerkschaft:

”Wir wollen eine Ausbildung haben, die so ausgestaltet ist, dass wir gute und begehrte Bauarbeiter bekommen, und nicht nur solche, die in Zeiten der Hochkonjunktur Arbeit haben, aber sofort arbeitslos werden, wenn die Konjunktur schwächelt.”

Diese Einigkeit von Arbeitgebern und Arbeitnehmern könnte allerdings nach Ansicht der Arbeitsvermittlung dazu führen, dass Fachleute auf dem Bau auch in den nächsten fünf bis zehn Jahren noch Mangelware sind. Aber  sogar Schüler mit Gymnasialzeugnis haben es schwer, in der Branche Fuß zu fassen. Denn Auszubildende brauchen Ausbilder, und auch an denen fehlt es.

Der Mangel könnte aber auch ganz bewusst herbeigeführt worden sein. Diesen Verdacht hegt zumindest die staatliche Wettbewerbsbehörde. Deren Chef Claes Norgren macht sich Gedanken darüber, warum die Branche keine Auszubildenden haben will:

”Liegt das daran, dass die zu teuer sind? Oder gibt es vielleicht so eine Art Deal, um gewisse Arbeitskräfte zu begünstigen, damit die Löhne oben bleiben. Also eine unheilige Allianz zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften, damit der schwedische Arbeitsmarkt nicht größer wird.”

Eine Vermutung, die sowohl von Gewerkschaften als auch Arbeitgebern bestritten wird, die aber laut Claes Norgren für beide Seiten durchaus nützlich ist. Die Gewerkschaften könnten das Lohnniveau oben halten, die Arbeitgeber könnten dank der großen Nachfrage höhere Preise verlangen. Für Verbraucher hat dieser Zustand in mehrerer Hinsicht negative Folgen, wie Verbraucherschützerin Maria Wiezell weiß:

”Einmal bekommt man als Privatperson nur schwer einen Handwerker für kleinere Arbeiten, dann wollen die meisten die Arbeit nur schwarz machen, und außerdem ist es für Verbraucher ungeheuer schwierig, einen Vertrag über Umfang, Dauer und Preis für die Arbeiten zu bekommen.”

Die Verbraucher müssten eigentlich mehr Druck machen, Referenzen verlangen und auf einen schriftlichen Vertrag bestehen, so Wiezell. Doch das sei derzeit schwierig. Arbeit gebe es viel, Fachkräfte nur wenig. Und da könnten eben die Handwerker bestimmen, was man an Leistungen erwarten und bekommen kann.

Thomas Fenske

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