Sparen bedeutet weniger Kontrollen

Zoll verordnet sich grenzenlose Rosskur

Grenzen spielen in einer zunehmend globalisierten Welt eine immer unbedeutendere Rolle. Das gilt vor allem für die Länder der Europäischen Union und erst recht für die im so genannten Schengen-Raum. Schweden gehört zum Schengen-Raum und auch viele Nachbarländer und Ostsee-Anrainer, wie Finnland, Dänemark, aber eben auch Polen und die baltischen Länder. Da liegen drastische Kürzungen beim Zoll in Zeiten, wo bei fast allen Behörden Gelder gekürzt werden, auf der Hand. Der neue Sparvorschlag fällt jedoch so drastisch aus, dass sich Kritiker Sorgen um die Sicherheit machen.

Nahezu alle Zollstationen nördlich von Stockholm und auch viele im Süden sollen dem neuen Sparplan zum Opfer fallen, den die Zollbehörde jetzt der Regierung vorgelegt hat. Die Regierung hatte zuvor ein drastisches Sparziel vorgegeben, wie Michael Nelander, Chef des Zolls im südschwedischen Karlshamn, erklärt: „Wenn wir heute nichts unternehmen, haben wir 2012 ein Minus von rund 500 Millionen Kronen. Wir müssen also schnellstens etwas tun“

Der Vorschlag sieht vor, neun Zollstationen ganz stillzulegen, fünf davon in Nordschweden. In drei weiteren Stationen wird es kein festes Personal geben. Darunter auch im südschwedischen Hafen von Trelleborg. Ein Schlag ins Gesicht, findet der Zollbeamte und Gewerkschaftsvorsitzende in Trelleborg, Harry Wicktor.

Vernachlässigte Verbrechensbekämpfung

„Ich bin bestürzt, enttäuscht und auch sauer“, sagt Wicktor zu den Plänen der Zollbehörde. Gerade in den südschwedischen Häfen seien Kontrollen zur Verbrechensbekämpfung besonders wichtig, sagt auch Jan Martinsson von der Gewerkschaft der Zollbeamten: „Die Analyse der Bedrohungen, die von der Zollbehörde selbst angefertigt wurde, sagt, dass etwa die Küste in Blekinge besonders betroffen ist. Wir haben Drogenfabriken im Baltikum. Das wissen doch alle.“

Die Kontrollen sollen von der Polizei und der Küstenwache mit übernommen werden. Im Zuge der Einsparungen werden 300 Stellen gestrichen. 130 werden in Rente geschickt, 170 müssen gekündigt werden. Ein notweniger Schritt, so Ted Stahl, Leiter der Gruppe, die den Sparplan ausgearbeitet hat: „Am Anfang ist das sicher für viele hart. Aber eine Führung darf nicht nur an die tagesaktuelle Situation denken, sondern darüber hinaus. Wir entwickeln unsere Tätigkeit.“  

Immer weniger Beamte

Von dieser Entwicklung weiß Trelleborg zu berichten. 1995 haben hier noch 150 Zöllner gearbeitet. Heute sind es 31. Wenn der Sparvorschlag in die Realität umgesetzt wird, gibt es dort kein festes Personal mehr, sondern Beamte aus Malmö sollen sporadisch Dienst in Trelleborg machen.

Mit dieser Lösung kann sich Harry Wicktor nur wenig anfreunden: „Das kostet Geld, belastet die Umwelt und es braucht mehr Arbeitszeit hier in Schonen herumzufahren. Hier kommen täglich 1000 Lkw rein und genauso viele verlassen das Land.“

Wicktor hofft trotzdem noch auf ein Wunder. Für das müsste dann jedoch die Regierung sorgen, die ja schließlich das Sparziel vorgegeben hat.

Dieter Weiand

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